Berlin sollte einen zweiten Busbahnhof bekommen – und zwar im Ostteil. Dafür hat sich der Fernbusbetreiber Hans-Jörg Schulze ausgesprochen. „Berlin ist groß genug, um zwei solcher Standorte zu vertragen“, sagte der Geschäftsführer der Firma Haru Reisen, die Mitgesellschafter bei Berlinlinienbus ist, im Verkehrspolitischen Informationsverein. Er sprach sich dafür aus, die Halteplätze am Ostbahnhof in Friedrichshain auszubauen. Dort lässt Berlinlinienbus, an dem die Bahn indirekt beteiligt ist, jetzt schon Fernbusse abfahren. Schulze: „Sie werden gut angenommen. Das zeigt, dass der Ostbahnhof als Fernbusstation bereits akzeptiert wird.“

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hält dort aber nur eine kleinere Reisebus-Endstelle für sinnvoll. Falls ein zweiter Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) erforderlich werde, sollte er in dem Gewerbegebiet auf dem Südteil des Tempelhofer Feldes gegenüber der Oberlandstraße entstehen. „Grundsätzlich wird der Standort Tempelhofer Freiheit (Süd) als optionale Fläche für einen zweiten ZOB-Standort betrachtet“, sagte Staatssekretär Christian Gaebler (SPD).

„Die Preise sind verdorben“

Hans-Jörg Schulze hält davon nichts. Der neue Busbahnhof wäre dort nicht weit weg genug vom jetzigen ZOB am Messedamm in Charlottenburg. „Eigentlich müsste man den dann dichtmachen“, so der Busunternehmer. Zudem läge auch Tempelhof im Westteil. Vor allem aber sei damit zu rechnen, dass der Verkehr auf dem Tempelhofer Abschnitt der Stadtautobahn zunehmen wird, wenn der Flughafen BER in Schönefeld in Betrieb ist. „Dann wird es dort mehr Staus geben, was die Busse behindert.“ Schulze forderte, erst einmal lieber den ZOB am Messedamm auszubauen.

Der Haru-Chef erwartet, dass sich der Boom des Fernbusverkehrs abschwächt. Zwar sei die Zahl der Routen gestiegen. Doch viel zu verdienen gebe es für Busbetreiber oft nicht, weil sie sich mit niedrigen Fahrpreisen Konkurrenz machen. Viele fahren Verluste ein. „Die Preise sind verdorben“, so der Haru-Chef. Dabei könne man mit Sechs-Euro-Tarifen nicht mal die Kosten decken. Schulze: „Es gibt mehr Fahrgäste, aber weniger Ertrag.“ So sank bei Berlinlinienbus auf der Strecke Berlin–Hamburg, auf der 2012 rund 330.000 Reisende unterwegs waren, die Auslastung von damals 76 Prozent auf jetzt bis zu 60 Prozent.