Berlin - Manche Dinge dauern eben etwas länger. Fünf Jahre, nachdem Flixbus am Alexanderplatz eine Haltestelle eingerichtet hat, durfte das Unternehmen dort auf eigene Kosten zwei Wartehäuschen aufstellen. Am Dienstagmittag wurde die Inbetriebnahme der solarbeleuchteten Unterstände gegenüber vom Hotel Park Inn gefeiert. Flixbus-Chef Fabian Stenger nahm die Gelegenheit wahr, seinen Wunsch nach einem zweiten Fernbusbahnhof für Berlin zu bekräftigen. Die Anlage sollte im Osten der Stadt entstehen: „Das Ostkreuz wäre der ideale Standort.“

Fahrgäste, die auf den Bus nach Hamburg oder Leipzig warteten, wunderten sich. In der Tat wird die Aufstellung von Buswartehäuschen in der Regel nicht mit Sekt gefeiert – auch bei Flixbus nicht. Doch diesmal machte das Unternehmen eine Ausnahme. Zu wichtig sei die Haltestelle am Alexanderplatz, sagte Patrick Kurth von Flixbus: „Sie ist eine unserer Top-Haltestellen in Europa“ – nicht nur was die Zahl der Fahrgäste, sondern auch was die durchschnittliche Auslastung der Busse anbelangt. Fast alle seien ausgebucht. Der Grund: Der Alex sei gut erreichbar.

Café ohne Kundentoilette

Auch wer sich für Klimaschutz einsetze, könne mit der Haltestelle zufrieden sein, so Stenger. „95 Prozent der Fahrgäste kommen zu Fuß, mit dem Nahverkehr oder per Rad dorthin.“ Der Durchschnittswert für alle Flixbus-Stopps liegt bei 70 Prozent.

Anfangs wurde der Fortbestand der Haltestelle allerdings immer wieder von Behördenseite in Frage gestellt, hieß es bei Flixbus. Noch mehr Opposition gab es gegen den Plan, Wartehäuschen aufzustellen. Zusätzliches Straßenmobiliar sei nicht gewünscht – so kam die Botschaft bei dem Unternehmen an. „Wir arbeiten um die Ecke in der Karl-Liebknecht-Straße und kommen oft an der Haltestelle vorbei. Manchmal saßen die Fahrgäste sogar auf der Erde“, erzählte ein Mitarbeiter. Um die Lage zu entspannen, mietete Flixbus 2017 ein Ladenlokal, richtete Schalter ein und gewann einen Cafébetreiber. Toiletten für die Fahrgäste gibt es allerdings nicht.

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja freute sich, dass die Wartehäuschen endlich stehen. „Es ging schneller als am BER“, witzelte der Gast. Nun müsse endlich der Bau eines zweiten Busbahnhofs in Angriff genommen werden – am Ostkreuz, wie es auch die CDU fordert. Der Senat steht der Forderung aber skeptisch gegenüber: Zum einen fehle Platz, zum anderen der Bedarf. Schließlich werde der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) am Messedamm in Charlottenburg ausgebaut.

ZOB am Messedamm 2022 fertig

Die Verkehrsanlagen sollen Ende 2019 fertig werden, die Eröffnung der geplanten Wartehalle soll im Sommer 2022 den Schlusspunkt setzen. Doch viele Ost-Berliner scheuen den Weg, entgegnete Flixbus-Chef Stenger. „Im Sinne des Klimaschutzes wäre es konsequent, über einen ZOB am Ostkreuz nachzudenken.“