Berlin - Ein Nachtzug nach München, ein durchgehender Wagen nach Nowosibirsk in Russland. Viel mehr Fernverkehrsverbindungen stehen im Bahnhof Zoologischer Garten nicht auf dem Fahrplan. Nach dem Willen der neuen Koalition soll sich das bald ändern. Der Bahnhof in der City-West müsse wieder regulärer Fernzughalt werden, fordern SPD und CDU. „Die Bahn wird sich in dieser Frage bewegen müssen“, bekräftigte Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Vize-Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf. Doch Ingulf Leuschel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB) für Berlin, dämpfte am gestrigen Donnerstag die Erwartungen.

„An unserer Haltung zu diesem Thema hat sich nichts geändert“, sagte er. Die Bahn wolle bei ihrem jetzigen Konzept bleiben. Wer heute mit dem Intercity Express verreisen will, habe in Berlin eine große Auswahl. Nicht nur am Hauptbahnhof halten Fernzüge, auch am Südkreuz und am Ostbahnhof, in Spandau und Gesundbrunnen – das reiche aus. Der Bahnhof Zoo werde trotzdem nicht vernachlässigt. Dem Vernehmen nach plant die Bahn Umbauten für 30 bis 40 Millionen Euro.

Tunnelbau in Lichtenrade geplant

Als offenes Geheimnis gilt, dass die Bahn den Fernverkehr am Zoo 2006 auch deshalb größtenteils eingestellt hat, um den Hauptbahnhof auszulasten und den Läden Kunden zuzuführen. Das Argument, dass die Fernbahnsteige am Zoo oft zu schmal für den Andrang waren, ist dagegen wenig stichhaltig. Die Ost-West-Bahnsteige im Hauptbahnhof sind auch nicht besonders breit.

Die Bahn sieht die Forderung der Koalition aber auch aus einem anderen Grund skeptisch. „Ein regulärer Fernzughalt wäre mit dem Wunsch, mehr ICE-Züge zum neuen Schönefelder Flughafen einzusetzen als geplant, nicht vereinbar“, sagte ein Planer. Für weitere Fernzüge würde sich die Dresdner Bahn anbieten, die neu aufgebaut werden soll. „Doch sie ist nur über den Nord-Süd-Tunnel erreichbar, dessen Zulaufstrecken nicht über den Bahnhof Zoo führen“, hieß es.

Zur Dresdner Bahn im Süden Berlins haben sich SPD und CDU ebenfalls geäußert: Sie wollen sich dafür einsetzen, dass in Lichtenrade ein Tunnel gebaut wird – „mit angemessener finanzieller Beteiligung Berlins“, wie CDU-Generalsekretär Bernd Krömer am Mittwoch sagte. „Aber dafür gibt es noch keine Bauplanung“, so die Bahn. Das Projekt, das für den neuen Flughafen wichtig sei, würde sich um weitere zehn Jahre verzögern. Schon nach jetzigem Stand werde es erst 2020 fertig.