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Fahrgastverbände und Politiker lassen nicht locker. Sie fordern, dass der Bahnhof Zoologischer Garten wieder ein regulärer Fernzugstopp wird – wie bis Mai 2006. Doch die Chancen, dass dort jemals wieder ICE- und Intercity-Züge halten, sind so schlecht wie nie zuvor. Denn es könnte sein, dass die Deutsche Bahn (DB) im Dezember weitere Fernzüge von der Stadtbahn abzieht und in den Nord-Süd-Tunnel verlagert. Die betroffenen Züge kämen nicht mehr am Zoo vorbei, der an dieser Ost-West-Strecke liegt – sie könnten dort auch nicht halten. Von den möglichen Verlagerungen wäre der Ostbahnhof ebenfalls betroffen.

„Derzeit gibt es Gespräche zu diesem Thema, auch mit uns“, sagte Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. Denn Anlass für die denkbaren Neuerungen, die vom 16. Dezember an gelten würden, wäre vor allem der Regionalverkehr.

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Zum einen wird für die beiden Linien, die über die Stadtbahn zum Flughafen Schönefeld führen, ein kundenfreundlicherer Fahrplan angestrebt. Heute beträgt die maximale Wartezeit am Hauptbahnhof 25 oder 35 Minuten. Geplant ist ein exakter 30-Minuten-Takt, den sich Fahrgäste besser merken können.

Zum anderen werden sich künftig noch mehr Regionalzüge die beiden Gleise auf der Ost-West-Strecke im Zentrum teilen. Denn ebenfalls ab Dezember wird zwischen Potsdam, Zoo und Friedrichstraße alle 15 Minuten ein Regionalzug fahren: montags bis freitags zu den Stoßzeiten. Hinzu kommt, dass eine Privatbahn Fernzüge von Köln nach Berlin fahren will, mit Halt am Zoo. Es wird voll auf der Ost-West-Strecke.

"Bestmögliche Lösungen für die Kunden"

Die ICE-Züge nach Hamburg, Dresden und München rollen schon seit 2006 nicht mehr am Zoo vorbei, sondern durch den Nord-Süd-Tunnel. Die ICE-Züge nach Köln und die Intercitys nach Amsterdam fahren dagegen noch über die Stadtbahn.

Doch ob dort für regelmäßig verkehrende Fernzüge künftig noch Platz ist, wenn der Regionalverkehr ausgebaut wird, ist fraglich. Vor Kurzem unterhielt sich Gerhard Curth, Präsident des Deutschen Bahnkunden-Verbands, mit dem DB-Fernverkehrschef Manuel Rehkopf über das Thema. Der Manager sagte, dass es Erwägungen gebe, den Fernverkehr „teilweise“ von der Stadtbahn zu nehmen, so Curth. Die betroffenen Züge würden ebenfalls über Jungfernheide in den Tunnel geleitet, um im unterirdischen Teil des Hauptbahnhofs zu halten. Auch den Ostbahnhof, letzter verbliebener Fernbahnhof im Osten Berlins, können sie dann nicht mehr anfahren.

Der ICE- und Intercity-Verkehr soll nicht im Tunnel konzentriert werden, versicherte ein Bahnsprecher. Es gebe aber wie vor jedem neuen Fahrplan Zeitabschnitte, für die sich mehrere Zugbetreiber beworben haben. „Derzeit finden deshalb Abstimmungen mit dem Ziel statt, bestmögliche Lösungen sowohl für die Kunden des Nah- als auch des Fernverkehrs zu erzielen“, so der Sprecher. Im Sommer stünde fest, wie die Züge fahren werden.