Das Amtsblatt des Eisenbahn-Directions-Bezirk Berlin Nr. 11 vom 6. Februar 1882 verkündete: „Am 7. Februar cr. wird die Berliner Stadteisenbahn mit den Stationen: Schlesischer Bahnhof, Jannowitzbrücke, Alexanderplatz, Börse, Friedrichstraße, Lehrter Bahnhof, Bellevue, Zoologischer Garten, Charlottenburg und Westend für den Localverkehr eröffnet.“

In dieser Reihe ist der Bahnhof Friedrichstraße hervorzuheben:  Am 15. Mai desselben Jahres ging er als Haltepunkt für die Fernbahn in Betrieb – als Centralbahnhof Friedrichstraße. Es ging also von hier aus nicht mehr nur per Vorortbahn (spätere S-Bahn) ins Regionale, sondern in die Welt hinaus.

Bahnhof Friedrichstraße: Auf nach Alexandrowo

Entsprechend repräsentativ war das Gebäude gestaltet, um ankommende Gäste zu begrüßen und auch zu beeindrucken. Der im Bild oben gezeigte dreieckige südlichen Vorplatz, auf dem die Droschken vorfuhren, war angemessen großzügig und elegant gestaltet. Der Haupteingang befand sich auf der Nordseite.

Der Bahnhof besaß zwei Bahnsteige mit je zwei Richtungsgleisen und einer großen tonnenförmigen Bahnsteighalle über Fachwerkbindern unterschiedlicher Spannweite, die die Trassenkrümmung überwölbten.

Kurt Pierson schrieb im Jahrbuch 1971 des Vereins für die Geschichte Berlins: „Auf den Ferngleisen trafen sich die unterschiedlichsten Reisezüge, kreuzten auf dem ehemaligen ‚Centralbahnhof‘ Friedrichstraße die D-Züge in Richtung der östlichen Landesgrenze nach Wirballen oder Alexandrowo mit denen nach Hoek van Holland oder mit den blauen Luxuszügen nach Paris. Dazwischen die unzähligen Personenzüge nach Küstrin, Frankfurt a. d. Oder, Breslau einerseits, nach Belzig, Güsten oder Stendal andererseits, von den Rennbahnzügen ganz zu schweigen.“

Große Tage erlebte der Bahnhof 1913, als die Herrscher Europas anlässlich der Hochzeit der Kaisertochter Victoria Luise mit dem Braunschweiger Welfenherzog Ernst August per Salonzug anreisten. Spektakulär fiel die die Ankunft des russischen Zaren auf dem Bahnhof Friedrichstraße aus: Sein Hofzug umfasste zehn dunkelblau glänzenden Wagen, auf deren Fensterscheiben goldene Kronen schimmerten.