Die neue Strecke der U-Bahn-Linie U 5 in Mitte wird teurer. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die der Berliner Zeitung vorliegen. Danach summieren sich die zusätzlichen Zahlungen, zu denen sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gegenüber der Baufirma Implenia verpflichtet haben, bislang auf mehr als 30 Millionen Euro. Der Terminplan der Baufirma sieht vor, dass die Strecke zwischen den U-Bahnhöfen Alexanderplatz und Brandenburger Tor im August 2020 in Betrieb genommen wird – anfangs war dies für Juli 2019 geplant.

Es geht um das größte Verkehrsprojekt im Zentrum von Berlin. Die 2,2 Kilometer lange Lücke zwischen der heutigen U 5 und der U 55 wird geschlossen. Auf der neuen Ost-West-Trasse können die Züge aus Hönow künftig bis zum Hauptbahnhof fahren. Am Berliner Rathaus, unter der Museumsinsel und der Kreuzung Unter den Linden/ Friedrichstraße entstehen U-Bahnhöfe.

Warnung wurde ignoriert

Der komplizierte Baugrund mit Findlingen und viel Grundwasser hat die Bauleute oft behindert. 2013 musste die Schätzung der Gesamtkosten erhöht werden – um 92 Millionen auf rund 525 Millionen Euro.

Und es gibt Havarien. Zu einem dieser Vorfälle liefert ein vom Landgericht in Auftrag gegebenes Sachverständigengutachten, das der Berliner Zeitung vorliegt, jetzt neue Erkenntnisse. Die Havarie geschah am 17. August 2014 gegen 4.30 Uhr – vor der russischen Botschaft Unter den Linden, in dem die Tunnelbohrmaschine die erste Röhre im Rohbau erstellt hatte. Plötzlich drangen Wasser und sechs Kubikmeter Sand in die unterirdische Baustelle ein. Die Straße wurde teilweise gesperrt.

Nun bestätigt das Gutachten des Sachverständigen Martin Ziegler: Eine unterirdische Wand, die ein anderes Unternehmen beim Bau des U-Bahnhof Brandenburger Tor 2005 erstellt hatte, hat diesen Sand- und Wassereinbruch ermöglicht. Eine mangelhafte und nach unten hin offene Fuge sei „eindeutig“ als Hauptursache anzusehen, so der Ingenieur aus Bensheim in Hessen.

Nicht bekannt war dagegen bisher, dass sich in diesem Bereich schon einmal ein Boden- und Wassereinbruch ereignet hat – aus dem die BVG nicht die richtigen Schlüsse gezogen hat, wie Ziegler meint. Dieser Vorfall geschah in der Nacht zum 23. März 2006. Damals wurden „Mikrotunnel“ ins Erdreich getrieben, um es vereisen und dadurch stabilisieren zu können. Es könne „nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein vergleichbares Ereignis wiederholt“, warnten Experten damals. Die BVG hätte diese Erkenntnis in ihre Störfallszenarien einfließen lassen müssen, so Ziegler. Das geschah nicht. Darum sei die Entwurfsplanung der BVG eine weitere Schadenursache. Jörg Seegers von der Projektrealisierungs GmbH wies den Vorwurf des Gutachters jedoch zurück: „Der Vorfall 2006 ereignete sich an einem anderen Bauteil.“

Bund droht Berlin: Geld zurück!

Dennoch hat die BVG für diesen Bereich nun Mehrkosten anerkannt: Die Baufirma Implenia bekommt zusätzlich sechs Millionen Euro. In ihrer Vereinbarung vom 10. August einigten sich beide Seiten auf weitere Zahlungen. So erhält Implenia für den Rohbau des U-Bahnhofs Museumsinsel zusätzlich 20 Millionen Euro, was mit bereits gezahlten 2,8 Millionen Euro verrechnet wird. Dort hatte es unerwartete Probleme mit dem Grundwasser gegeben. Für Verzögerungen im Bauablauf zahlt die BVG sechs Millionen Euro, wegen streitiger Nachtragsforderungen 4,7 Millionen Euro. Alle Posten im Vergleich summieren sich auf 33,9 Millionen Euro, weitere Nachträge sind möglich. Unterm Strich gehe es nun um etwas weniger als 31 Millionen Euro, sagte Seegers. Ein Rechtsstreit wäre aber teurer gekommen. Das gerichtliche Beweissicherungsverfahren dauere an.

Neue Forderungen drohen. Der Bund und das Land haben 2004 vereinbart, dass das größtenteils vom Bund finanzierte Projekt 2020 beendet wird. Dauert es länger, müsse Berlin das Bundesgeld zurückzahlen. Die BVG geht aber davon aus, dass sie bis Silvester 2020 Zeit hat.