Auf einer weißen Plastiktischdecke stehen Wörter, die mit Kakaobohnen, Kräutern und anderen essbaren Materialien geschrieben wurden: „Chai Latte“, „Kinderarbeit“, „Nationalismus“. „Worte, die wir satt haben“, nennt die Künstlerinnengruppe vom Frauenmuseum Berlin ihr Werk. Beim Kunstfestival „48 Stunden Neukölln“ ist am Wochenende in der zentralen Ausstellung im Vollgutlager in der früheren Kindl Brauerei zu sehen. Insgesamt präsentieren von Freitag bis Sonntag mehr als 1200 Künstler an über 150 Orten Werke, die sich mit dem Motto „Satt“ beschäftigen.

Bis zu 80.000 Besucher

Seit 18 Jahren gibt es „48 Stunden Neukölln“. „Wir werden dieses Jahr volljährig“, sagt Auguste Kuschnerow vom Kulturnetzwerk Neukölln, das das Festival veranstaltet. Bis zu 80.000 Besucher hat das Kunst-Fest in der Vergangenheit angelockt. Die Zahl der Künstler, auch aus dem Ausland, wuchs. Der „Prozess des Erwachsenwerdens“ sei mit einer stärkeren Politisierung einhergegangen, sagt Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey.

Das wird auch am diesjährigen Thema deutlich, das aus 70 Vorschlägen ausgewählt wurde: Es geht um Mangel und Hunger in einer reichen Welt, um Überfluss und Überdruss, um Wut, die sich in einem „Wir haben es satt“-Gefühl bündelt. Das ganze Themenspektrum wird künstlerisch reflektiert – in Ausstellungen, Konzerten, Installationen, Performances und Führungen.

Das Festival ist auch eine Entdeckungsreise durch den Bezirk. „Galerien und Initiativen öffnen ihre Türen, in Hinterhöfen und Ateliers kann man die Vielfalt von Neukölln entdecken“, sagt Thorsten Schlengler von der Festivalleitung. Bei Führungen kann man nicht nur Kunst-Projekte ansehen, sondern erhält auch einen Einblick, was das ganze Jahr über in Neukölln stattfindet. Mehr als 1000 junge Kreativunternehmen hätten sich in den vergangenen Jahren in Nord-Neukölln angesiedelt, sagt Franziska Giffey. Das sei eine große Chance für den Bezirk.

Chance für Künstler

Seit Monaten arbeiten die Künstler, die am Festival teilnehmen, an ihren Projekten. „Wir haben uns seit September letzten Jahres wöchentlich getroffen, um unsere Idee zu entwickeln“, sagt Rachel Kohn vom Frauenmuseum. Für sie ist das Festival auch eine Chance, um sich mit anderen Künstlern, sei es aus dem Bezirk oder aus anderen Ländern, auszutauschen und mit Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Zum dritten Mal ist auch das Kunstfestival Junge Kunst Neukölln wieder Teil von „48 Stunden Neukölln“. Unter dem Motto „Schlaraffenland“ werden hier Arbeiten von Kindern und Jugendlichen vorgestellt. Sie zeigen, was diese unter einem Schlaraffenland verstehen und was für sie erstrebenswert sei, sagt Schlengler. Gesponsert wird das Festival hauptsächlich durch die Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land.