Die Städte wandeln sich derzeit radikal. Sie wachsen mit atemberaubender Geschwindigkeit, die Grundstückspreise explodieren, es fehlt an sozialem Wohnungsbau bei gleichzeitig steigenden Platzansprüchen. Kann also die seit Jahrzehnten von allen Planern immer wieder geforderte, von den Bürgern geliebte Mischung der Lebensformen auch im Stadtinnern diesem Druck standhalten? Oder wird das Leben dort endgültig zum Luxusgut wie bereits in London, Paris oder Tokio?

Am Donnerstag beginnt „MakeCity“, das deutschlandweit größte Festival für Architektur und Andersmachen. 18 Tage lang, bis zum 1. Juli, wird es dazu in der Stadt mehr als 280 Veranstaltungen geben. 20.000 Besucher werden erwartet. Mehr als 80 Touren soll es geben. Sie führen etwa nach Oberschöneweide, das seit dem Umzug der Hochschule für Wirtschaft und Technik zunehmend zum Universitätsviertel wird. Sie führen in die Wohngebirge über der Autobahn an der Schlangenbader Straße, in die ehemalige Tschechische Botschaft oder in das neue Viertel am einstigen Blumengroßmarkt.

Die Mischung in der Stadt

„MakeCity“, unter der künstlerischen Leitung der umtriebigen Architektin Francesca Fergusson, findet nun schon zum zweiten Mal statt. Es soll all solche Fragen aufs Tapet bringen, zum Streit anregen, neue Ideen provozieren. Wohnungsbausenatorin Karin Lompscher, die um die Zukunft des Senatsbauprogramms kämpfen muss, unterstützt das Festival wohl auch deswegen.

Fragen gibt es viele: Welche Rolle spielt im Wandel der Stadt die Architektur, welche eine Planerzunft, die selbst unter wirtschaftlichem Druck steht, die sich im Dickicht immer neuer Baunormen und Energieeinsparungsverordnungen bewegen muss, die bereits mit den Folgen der Digitalisierung kämpft? Welche Bedeutung wird die gebaute Vergangenheit, welche können Zukunftsutopien haben? Selbst wenn im Rahmen des Festivals Boccia vor dem Berliner Ensemble gespielt werden wird, geht es immer um die Mischung in der Stadt. Informationen: www.makecity.berlin.de