Tagsüber ist die Stadt in diesen Tagen neblig, trüb und grau. Am Abend aber verwandelt sie sich in ein buntes Lichtermeer. Nachdem der Verein Berlin leuchtet schon seit vergangenen Freitag mehr als 70 Gebäude in der Stadt mit Scheinwerfern erhellt, wird Berlin jetzt noch bunter. Am Mittwochabend haben die Macher des Festivals of Lights ihre Strahler angestellt, die Bilder auf rund 30 prominente Bauwerke in der Stadt projizieren. Diskus-Dauerchampion Robert Harting eröffnete das Festival am Potsdamer Platz.

Festival of Lights und Lichterfest beleuchten die Stadt nun gemeinsam bis zum 20. Oktober. Während der Potsdamer Platz der Festival-Schauplatz moderner Lichtkunst sein wird, sind auf der Fassade des Hotel de Rome am Bebelplatz die Gemälde der Alten Meister zu sehen. Auch die Botschaften der USA, der Ukraine und Belgiens werden in Szene gesetzt. Und der Berliner Dom wird sich dank spektakulärer Farben vom Nachthimmel abheben. Für Tausende Berliner und Gäste der Stadt sind die Gebäude wie magische Orte. Sie bauen ihre Stative auf, fotografieren und drehen Filme, oder sehen einfach nur dem Farbenspiel zu.

„Unser Anspruch, ein Lichterfest für alle zu inszenieren, hat sich schon jetzt erfüllt“, sagt Jürgen Gangl vom Vorstand des Vereins Berlin leuchtet. Das Festival of Lights sei eine willkommene Ergänzung des Lichterfestes. Der Verein hatte sich im Januar gegründet, weil dessen Initiatoren um Lichtdesigner Andreas Boehlke das Festival of Lights zu kommerziell geworden war. Viele Mitstreiter sind daher dieselben, die das Festival 2005 begründet hatten. Wie Gangl sagt, will der Verein nun Lichtkunst das ganze Jahr über in der Stadt präsentieren.

Birgit Zander richtet das Festival of Lights zum neunten Mal mit ihrer Agentur aus. Wie sie sagt, werde man mit moderner Projektionstechnik die Gebäude künstlerisch inszenieren: „Wir setzen die Architektur und Kunstwerke in ein ganz besonderes Licht. Wir machen’s für Berlin mit ganz viel Herz.“ Zum Beispiel wird die Lichtinstallation über das Leben in Berlin erzählen, etwa über Wasser und Freizeit, über Musik und das Nachtleben. Am Potsdamer Platz wiederum sind auf den Hochhäusern Collagen aus Werken moderner Künstler wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein zu sehen.

Für Berlin ist das Lichtspektakel inzwischen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Tourismus-Werber von Visit-Berlin rechnen mit etwa 650 000 zusätzlichen Übernachtungen in der Stadt, bis zu 2,5 Millionen Menschen werden sich die Lichtinszenierungen ansehen.