Grünau - Die Rauchschwaden, die an diesem Dienstagmorgen noch immer aus der Brandruine des einstigen Gesellschaftshauses in der Regattastraße in Grünau quellen, sind weithin sichtbar. „Ich bin traurig und enttäuscht, dass die Geschichte dieses Hauses so enden musste“, sagt Ina Malzigus, die am Absperrband der Feuerwehr steht. Die 62-Jährige wohnt in Grünau. Zu DDR-Zeiten sei sie immer ins Gesellschaftshaus zum Tanzen gegangen. Oder zur Campingausstellung.

Nun ist aus der einst traditionsreichen Ausflugsgaststätte nicht mehr viel übrig. „Das Gesellschaftshaus hat so lange leergestanden, ist verfallen. Und nun das“, sagt sie kopfschüttelnd. In der Nacht zu Dienstag war die Feuerwehr zu vier kleinen Bränden in den Köpenicker Ortsteil Grünau gerufen worden. Mal brannten sechs Müllcontainer, mal eine Papiertonne, mal ein Altkleiderbehälter.

Alle Einsatzorte befanden sich nahe des denkmalgeschützten Ensembles Rivera und Gesellschaftshaus. Um 2.46 Uhr entdeckten die Löschkräfte dann Flammen, die aus dem Dach des vorderen Gebäudes des Gesellschaftshauses schlugen. Der Dachstuhl brannte auf einer Fläche von 800 Quadratmetern.

Brand des Gesellschaftshauses in Grünau: Zwei vorläufige Festnahmen

„Bis zu 70 Einsatzkräfte versuchten in der Nacht, den Brand des Gebäudes zu löschen“, sagt Feuerwehrsprecher Dominik Pretz. Die Einsatzkräfte hätten das Haus nicht betreten können, weil es als Ruine ausgewiesen gewesen sei. Deswegen sei das Feuer von außen bekämpft worden. „Die Flammen haben die Holzbalkendecken vom Dach bis in das Erdgeschoss zerstört, so dass nur noch die Fassade des Gebäudes steht“, sagt Pretz. Das Gebäude sei einsturzgefährdet. Im Erdgeschoss liege nun sehr viel Schutt, der immer noch brenne.

Die Ermittler schließen nicht aus, dass Brandstifter am Werk waren. Noch in der Nacht seien zwei 20-jährige Tatverdächtige festgenommen worden, so die Polizei. Sie seien gegen 3 Uhr aufgefallen, weil sie die Löscharbeiten intensiv beobachtet hätten. Am Nachmittag kamen die beiden jungen Männer wieder auf freien Fuß, es werde aber weiter gegen sie ermittelt, heißt es.

Das Gesellschaftshaus und die Riviera entwickelten sich seit Ende des 19. Jahrhunderts zu beliebten Ausflugs- und Tanzlokalen an der Dahme. Die Großgaststätten schlossen 1991, wurden zur Verwertung der Treuhandliegenschaftsgesellschaft überlassen. Jahrelang standen die Gebäude leer und verfielen. Bis der Investor Terragon die Immobilien übernahm. Er hatte vor, bis 2021 auf dem Gelände eine Senioreneinrichtung zu errichten.

Brand des Gesellschaftshauses in Grünau: Abschied vom Denkmalschutz?

Teile der denkmalgeschützten Gebäude sollten erhalten bleiben und auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Wir sind schockiert, dass eines der beiden Gebäude des denkmalgeschützten Gesellschaftshauses durch diesen Brand schwer geschädigt wurde“, sagt Michael Held, der Terragon-Vorstandschef. Er sei auch froh, dass das Feuer nicht auf das zweite Gebäude des Gesellschaftshauses und insbesondere nicht auf das architektonische Kleinod Riviera-Saal übergegriffen habe. „Wir setzen unser Bauprojekt fort.“

Nils-R. Schultze vom Ortsverein Grünau, der sich seit Jahren für den Erhalt von Riviera und Gesellschaftshaus stark macht, sagt, mit dem Gesellschaftshaus verliere Grünau seine Seele. „Wir befürchten, dass sich der Investor nun auch noch aus den letzten Zusagen zum Denkmalschutz verabschieden wird.“ Stefan Förster vom Bezirksdenkmalrat findet den Zeitpunkt des Brandes „merkwürdig“. Die Zerstörung des Gesellschaftshauses sei ein herber bauhistorischer Verlust.

Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) nennt den Brand ein furchtbares Ereignis für Grünau. Er sei froh gewesen, dass sich endlich einen Investor gefunden habe, der Teile des Denkmals erhalten wolle. Das Feuer zeige, dass Denkmäler wie Gesellschaftshaus und Riviera nur durch eine Nutzung gerettet werden könnten – und nicht durch jahrelangen Leerstand.