Es war die vermutlich teuerste Tierrettung Berlins: Acht Stunden dauerte der Großeinsatz, bei dem 23 Feuerwehrleute im Tegeler Forst einen Terrier ausbuddelten, der in einem Dachsbau gefangen saß. Das war im November 2012. Zwei Jahre später müssen sich Richter des Verwaltungsgerichts mit der ausgesprochen aufwendigen Aktion beschäftigen. Die Hundebesitzerin weigert sich, den Einsatz zu bezahlen. Immerhin flatterte ihr eine Rechnung über 13.000 Euro ins Haus. Sie klagt gegen das Land Berlin, am kommenden Mittwoch wird verhandelt.

Am 12. November 2012 kurz nach 18 Uhr war ihr Terrier namens Skipper in dem Dachsbau verschwunden und kam nicht wieder raus, weil er mit der Leine hängenblieb. 18.25 Uhr ging laut Verwaltungsgericht der Ruf „Tier in Not“ bei der Feuerwehr ein. Kurz nach 20 Uhr war der Einsatzleitwagen vor Ort.

Und weil so ein Terrier nicht so leicht aus einem Dachsbau zu befreien ist, folgte weitere Unterstützung: Drei „Löschhilfsleistungsfahrzeuge und ein Tanklöschfahrzeug TLS trafen ebenfalls im Tegeler Forst ein, wo bis 1.30 Uhr 23 Feuerwehrleute mit Spaten und Schippen eine Fläche von 50 Quadratmetern freilegten und das Erdreich bis zu vier Metern Tiefe aushoben. Die Ausfertigung des Gebührenbescheids gegen Skippers Besitzerin hat noch mehr Zeit in Anspruch genommen, zumal er aufgrund der hohen Summe noch von Juristen der Senatsinnenverwaltung geprüft wurde.

„Technische Hilfeleistung klein“

Freilich ist die Feuerwehr verpflichtet, nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere in Todesgefahr auszurücken. Papagei auf dem Baum, Fuchs im See eingefroren, Katze in Schornstein gefallen – solche Einsätze unter der Rubrik „Technische Hilfeleistung klein“ kommen immer wieder vor, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. Eine Statistik darüber gibt es nicht, aber schätzungsweise 40.000 Mal im Jahr soll die Feuerwehr bundesweit zur Rettung von Tieren ausrücken.

Und wer kommt dafür auf? In manchen Bundesländern werden Halter nur dann zur Kasse gebeten, wenn sie die Notlage ihres Haustieres vorsätzlich herbeigeführt – sprich: Hund in den Dachsbau gejagt haben. Berlin hingegen ist streng. Es genügt, wenn Herrchen nicht richtig auf sein Tier aufgepasst oder so einen Terrier nicht ordentlich angeleint hat. In der „Feuerwehrbenutzungsgebührenordnung“ ist zudem exakt geregelt, welche Dienstleistung, welcher Geräteeinsatz wie Sprungtuch oder Drehleiter wie viel kostet. Der Einsatz eines Löschfahrzeugs zum Beispiel wird derzeit je angefangene Minute mit 4,70 Euro berechnet – ohne Personalkosten. Da kann sich bei einem achtstündigen Großeinsatz so einiges summieren.

Aber sind auch solch hohe Summen wie für die Rettung Skippers einer Hundehalterin zuzumuten? Darum wird sich die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht drehen. „Es stellt sich die Frage, ob die Kosten so hoch sind, dass man sie dem Bürger nicht mehr aufbürden kann“, hieß es im Verwaltungsgericht. Zudem macht die Klägerin geltend, dass sie gar nichts für Skippers Ausflug in den Dachsbau kann. An jenem Tage habe nämlich ein Freund den Terrier ausgeführt.