Berlin - Seit Dienstag sollen Apotheken Menschen im Alter von über 60 Jahren sowie Personen, die unter bestimmten Vorerkrankungen leiden, mit jeweils drei kostenlosen FFP2-Masken versorgen. Schon an Tag eins der Aktion war der Andrang in den Berliner Apotheken groß, die Schlangen vor den Filialen lang. Für die Kundschaft hieß das: Frust. Für die Angestellten: Stress.

So auch in einer Apotheke in Steglitz. Jeden Tag stehen die Menschen hier nun Schlange. Eine genervte Mitarbeiterin sagt, man sei von der Entscheidung der Bundesregierung komplett überrascht worden. Es sei unmöglich, von einem auf den anderen Tag an Masken zu kommen.

Die vom Bundesgesundheitsministerium organisierte Versorgungsaktion ist dreistufig angelegt: Bis zum 6. Januar sollen zunächst rund 27 Millionen Menschen erstversorgt werden. Danach sollen in einer zweiten und dritten Verteilungsphase pro Risikoperson nochmal je sechs FFP2-Masken ausgegeben werden.

Das macht allein in der ersten Phase rund 80 Millionen auszugebende Masken. Die Krux an der Sache: Apotheken müssen die Masken auf dem freien Markt bestellen. Wegen der hohen Nachfrage seit Beginn der Pandemie gebe es inzwischen viele Hersteller und Händler, deren Glaubwürdigkeit nicht auf den ersten Blick erkennbar sei, sagt Reiner Kern, Sprecher des Apothekerverbandes. Allein die Recherche sei daher aufwendig.

Dazu kommen teilweise lange Lieferfristen – nicht jede Apotheke habe die rechtzeitige Lieferung gewährleisten können, so Kern. „Lokale Engpässe“ würden sich deshalb auch in den kommenden Tagen wiederholen. Dass es keine zentralen Lieferungen durch den Bund gebe, habe zur Folge, dass die verfügbaren Vorräte abhängig von den Gesetzen des Marktes und den personellen Kapazitäten der Apotheken seien.

Und so blieb manch ein Masken-Berechtigter zunächst unversorgt: Auch Uwe Pissors suchte in Tegel vergeblich nach der ihm zustehenden Maskenration, wie er der Berliner Zeitung per Mail mitteilte. Mehrere Filialen habe er abgeklappert, schreibt der 65-Jährige, überall dasselbe Ergebnis: keine Masken da. Als er schließlich eine besser ausgestattete Filiale fand – auch hier Fehlanzeige, denn die Filiale gab ihren Bestand nur an ihre Stammkundschaft aus, Pissors hätte dazu eine Kundenkarte gebraucht.

Apotheken an ihren Grenzen – Patienten unversorgt

Für die Mitarbeitenden bedeutet die Maskenausgabe eine Zusatzbelastung, die sie neben dem Tagesgeschäft stemmen müssen. Der Apothekerverband hat trotz einzelner Engpässe den Eindruck, dass die Apotheken „flächendeckend“ sogar besser ausgestattet waren, als in Anbetracht der knappen Vorbereitungszeit zu erwarten war, sagt Kern. Allerdings: In der Befragung der Landesorganisationen habe sich auch gezeigt, dass „extrem viele Menschen am ersten Tag gleich in die Apotheke gestürmt sind“.

Innerhalb der ersten vier Stunden Öffnungszeit am Dienstag schätzte der Verband mehr als doppelt so viel Kundschaft im Vergleich zu anderen Tagen. „Da kommen die Apotheken an ihre Grenzen“, sagt Kern. „Die Aktion läuft bis zum 6. Januar, die dreiwöchige Frist hat ja einen Grund.“ Kundinnen und Kunden ruft der Verband dazu auf, sich zu gedulden. Er sei optimistisch, den „Löwenanteil“ der Risikopatienten bis Weihnachten versorgen zu können.