Berlin - Wenn ein Schauspieler keine Risiken mehr eingeht, war es das mit ihm. Dann stellt sich beim Zuschauer schnell Langeweile ein. Matthias Schweighöfer hat das im zarten Alter von 30 Jahren begriffen. In seinem neuesten Film „Rubbeldiekatz“, dessen Premiere am gesterigen Mittwochabend im Kino Cinemaxx am Potsdamer Platz gefeiert wurde, setzt er voll auf Risiko. Er spielt einen erfolglosen Schauspieler, der kaum Rollenangebote bekommt. Als sich wegen eines Irrtums die Chance bietet, eine Frauenrolle zu ergattern, greift er zu.

Die meisten Männer in Frauenkleidern scheitern vor der Kamera kläglich, weil die Zuschauer einfach nicht glauben, dass den irgendwer für eine Frau halten könnte. Schweighöfer ist als Frau dermaßen überzeugend, dass ihn sogar gute Bekannte in Kostüm und Maske nicht erkannt haben. Kollegin Alexandra Maria Lara, die die (wirklich) weibliche Hauptrolle gespielt hat, fand Schweighöfer als Frau spektakulär: „Ich war hin und weg, als ich ihn zum ersten Mal in voller Montur um die Ecke kommen sah.“

Sogar Schweighöfer ist mit seiner weiblichen Erscheinung ganz zufrieden: „Ich finde mich irgendwie hübsch.“ Leicht herzustellen war das allerdings nicht. Der Herr Schweighöfer zählt auf, was ihm seine Zeit als Frau besonders zur Qual gemacht hat: „Puller-weg-Schlüpper, Arschprothese, Stütz-BH und Highheels.“ Seine verständnisvolle Zusammenfassung: „Frauen haben es auch nicht leicht!“

Alexandra Maria Lara fand besonders lustig, dass sich die Gesprächsthemen immer wieder automatisch änderten, je nachdem, ob Schweighöfer gerade Mann oder Frau war. Mit ihr sprach sie eher über Befindlichkeiten, mit ihm über Filme und Berufliches.

Erstklassiges Ensemble

In „Rubbeldiekatz“ spielt Alexandra Maria Lara, was sie ist: einen Filmstar. Und gehört damit zu einem erstklassigen Ensemble. Neben ihr sind nämlich Denis Moschitto („Chico“), Maximilian Brückner („Wer früher stirbt ist länger tot“) und Max Giermann („Switch Reloaded“) zu sehen. Regisseur Detlev Buck spielt den Bruder und Manager des mäßig erfolgreichen Schauspielers. Matthias Schweighöfer landet als Frau in einer jener Hollywoodproduktionen, in der die Deutschen mal wieder nur Nazis spielen dürfen. Hitler-Darsteller Giermann verliebt sich in ihn, er verliebt sich in die von Lara gespielte Hauptdarstellerin des Films.

Der Film steckt voller Anspielungen. So besuchen die Darsteller des Films im Film eine Gala „Cinema for Fun“, was Erinnerungen an „Cinema for Peace“ weckt (wo schon so erlesene Gäste wie der gerade festgenommene Gaddafi-Sohn Saif al-Islam speisten).

Wer den Film, der am 15. Dezember in die Kinos kommen wird, schon gesehen hat, zieht zum Vergleich die Kinoklassiker von Herren in Damenkleidern heran: „Manche mögen“s heiß“ und „Tootsie“. Bei Regisseur Buck fühlte sich Alexandra Maria Lara aus einem Grund besonders gut aufgehoben: „Er ist auch Schauspieler.“ Schweighöfer, dessen Regiedebüt „What a Man“ gerade der Überraschungserfolg der Saison ist (fast 1,8 Millionen Zuschauer), schwärmt vom „Rubbeldiekatz“-Regisseur: „In Buck steckt ein unglaublich weises Kind. Ich liebe ihn und hoffe, dass wir noch viele gemeinsame Filme machen.“