Berlin - Wenn sich Arnold Schwarzenegger seit dem Ende seiner politischen Karriere als Gouvernator gelegentlich die Frage stellt, welche Rolle er in der Filmbranche früher spielte, derzeit spielt und künftig spielen kann, dann sollte er sich nicht den neuen Actionthriller „Total Recall“ anschauen. Er würde sich sonst wohl vorkommen wie ein dick eingestaubtes Museumsstück. Regisseur Len Wiseman („Stirb langsam 4.0“) hat nämlich Schwarzeneggers gleichnamigen Film aus dem Jahr 1990 mit Hauptdarsteller Colin Farrell nicht einfach bloß auf dem Stand der heutigen Filmtechnik noch einmal gedreht, sondern gründlich neu interpretiert.

Zur Deutschland-Premiere am Montagabend im Kino Cinestar im Sony-Center kamen Wiseman und Farrell mit den Hauptdarstellerinnen Kate Beckinsale und Jessica Biel nach Berlin. Damit Fotos, die deutlich nach der deutschen Hauptstadt aussehen, entstehen konnten, wurden die Fotografen kurz vor Mittag aufs Dach des China-Clubs an der Behrenstraße gebeten. Man posierte mit Reichstagsgebäude im Hintergrund und war bis auf Kate Beckinsale, der das Licht zu grell war, bester Dinge. Sie hatte die Rolle bekommen, obwohl sie brünett ist und im Drehbuch stand, dass ihre Figur eine Blondine sein sollte.

Regisseur Len Wiseman fand nun aber, dass die beiden wichtigsten Damen im Film einander aus inhaltlichen Gründen ähneln sollten und dass bewährte Prinzipien, nach denen man den Zuschauern die Unterscheidung der Hauptdarstellerinnen optisch erleichtern muss, außer Acht gelassen werden können. Er legte sich für Frau Beckinsale bestimmt nicht nur deshalb so sehr ins Zeug, weil sie seit acht Jahren seine Frau ist und sich sonst zu Hause langweilen würde… Anspielungen in diese Richtung findet Frau Beckinsale übrigens gar nicht lustig, was bei Interviews vor der Premiere schon zu Verspannungen führte.

„Ein Kuss ist ein Kuss“

In den deutschen Kinos startet „Total Recall“ am 23. August. Die Handlung spielt nach dem dritten Weltkrieg im Jahr 2084 und basiert auf der Kurzgeschichte „Erinnerungen en gros“ von Philip K. Dick. Im Mittelpunkt steht der von Colin Farrell gespielte Fabrikarbeiter Douglas Quaid der – ein Service der Firma „REKALL“ – seine Träume zu echten Erinnerungen werden lassen will. Beim Einpflanzen der von ihm gewünschten Erinnerungen an ein Leben als Superspion gibt es eine Panne und Quaid wird plötzlich von der Polizei verfolgt. Farrell hatte bei dieser Arbeit viel Vergnügen: „Man wird mit Dingen wie Identität, Ich und Über-Ich konfrontiert. Es macht Spaß, ein wenig durch den psychologischen Sumpf zu waten.“

Dieser Film war für ihn aber auch vermintes Gelände, denn die Hauptdarstellerin, die er zu küssen hatte, ist die Frau des Chefs: „Ein Kuss ist ein Kuss. Aber ein bisschen schwieriger als sonst war es schon.“ Seinen Berlinbesuch wird er so bald nicht vergessen: „Ich bin letzte Nacht durchs Brandenburger Tor spaziert. Das war atemberaubend.“

Nicht nur gutes Aussehen wichtig

Für Kate Beckinsale war ihre Rolle in „Total Recall“ eine willkommene Abwechslung: „Ich habe noch nie einen Bösewicht gespielt. Bisher war ich immer auf der Seite von Wahrheit und Gerechtigkeit.“ Regisseur Wiseman hat, anders als in vielen aktuellen Actionfilmen, größten Wert darauf gelegt, so viele Kulissen wie möglich bauen zu lassen, statt sie per Computertrick ins Bild zu mogeln. Jessica Biel und ihre Kollegen sahen die aber oft nur aus unbequemer Perspektive: „Ich glaube, dass wir jeden zweiten Tag buchstäblich kopfüber an einem Draht hingen.“ Für den Produzenten Neal H. Moritz war wichtig, dass die Hauptdarstellerinnen nicht nur sehr gut aussehen, sondern auch „ordentlich hinlangen können“. Er ist zufrieden: „Jessica Biel kann kämpfen wie der Teufel und Kate Beckinsale kann dem Teufel vermutlich zeigen, was eine Harke ist.“