Berlin - Finanzgeschäfte sind hochriskant. Trotzdem hat Berlins Senat mit toxischen Papieren gezockt: Das Land hält 132 Derivate mit einem Nennwert von 7,7 Milliarden Euro. Doch ihr Barwert liegt derzeit im tiefen Keller – bei minus 1,7 Milliarden Euro! Die Deals begannen 1996, als Annette Fugmann-Heesing (SPD) Finanzsenatorin war.

Ihre Beamten hatten eigentlich etwas Gutes im Sinn: Sie wollten dem hoch verschuldeten Berlin helfen, Zinsen zu sparen. Sie versuchten laut „Welt“, sich durch den Kauf von Derivaten feste Kreditzinsen zu sichern – und so das langfristige Schuldenmanagement planbarer zu machen.

Wahrscheinlich wettete Berlin darauf, dass die Zinsen steigen

Noch ist es ein Geheimnis des Senats, wie genau diese Zins-Wetten konstruiert waren. Wahrscheinlich wettete Berlin darauf, dass die Zinsen steigen. Aber das Gegenteil geschah: Etwa durch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank fielen sie. Das Ganze ging voll nach hinten los.

„Erschwerend hinzu kommt, dass einige Geschäfte sehr lange Laufzeiten haben, teilweise bis 2048“, so Wirtschaftsexperte Florian Swyter (FDP). Niemand kann seriös absehen, wie sich die Zinsen über Jahrzehnte hinweg entwickeln werden. Die Rechnungshöfe raten den Bundesländern eigentlich, sich bei Derivatgeschäften von externen Experten helfen zu lassen. Aber Berlin spekulierte lieber auf eigene Faust, wie aus einer Antwort der Finanzverwaltung an Swyter hervorgeht.

Thilo Sarrazin war Finanzsenator

Pikant: Einige der besonders brisanten, langfristigen Deals fielen in die Amtszeit von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), der heute als rechtslastiger Skandalautor unterwegs ist.

Hätte Berlin die Chance, sofort aus allen Deals auszusteigen, würde sich ein Verlust von 1,7 Milliarden Euro ergeben. „Der Senat ist dem Haushaltsausschuss nun eine Erklärung schuldig, ob es noch Hoffnung auf eine positive Entwicklung gibt“, sagt Swyter.

Er sei nicht pauschal gegen Derivate, aber der Senat müsse seine Geschäfte transparent darstellen und den Volksvertretern so eine Kontrolle ermöglichen. Die Finanzverwaltung will nun einen detaillierten Bericht vorlegen.