Finanzielle Unterstützung: Wie die Mikrokredite helfen können

Es gibt Leute, die haben  einen  Traum – eine kleine Idee, aus der sie etwas machen wollen, aber nicht können, weil ihnen das Geld fehlt. Und einen Kredit von der Bank zu bekommen, ist keine leichte Sache. Genau für solche Fälle hat das Land Brandenburg im vergangenen Frühjahr die sogenannten Mikro-Kredite eingeführt.

„Das ist für Leute wie mich eine ganz wunderbare Sache“, erzählt Juliane Daum aus Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). Die 32-Jährige ist  Sozialarbeiterin und arbeitet als solche auch freiberuflich. Aber nachdem sie diesen „ordentlichen Beruf“ studiert hatte, machte sie auch noch eine Ausbildung zur Tanzlehrerin und zur Choreographin an der Universität der Künste in Berlin und arbeitete als Lehrerin in Tanzschulen.

„Irgendwann sagte ich mir: Für meine Gedanken ist bei den anderen zu wenig Platz“, sagte  sie. Doch der Traum von der eigenen Tanzschule platzte schnell. „Die Bank wollten mir zwar  einen Kredit geben. Aber ich sollte eine viel größere Summe aufnehmen, als ich gebraucht hätte, und das zu Zinsen, die für mich nicht in Frage kamen.“

Recht unbürokratisch

Doch dann erzählte ihr ein Existenzgründungsberater von den Mikrokrediten. „Ich bekam die 25.000 Euro ganz schnell“, sagte sie. „So schnell konnte ich gar nicht gucken.“ Alles lief unbürokratisch – ohne Eigenkapital oder Bürgen.
Insgesamt hat das Land vom vergangenen April bis Dezember 95 Anträge auf Mikrokredite mit einem Gesamtvolumen von zwei Millionen Euro bewilligt. Das sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) am Montag in Potsdam. „Zahlreiche weitere sind in der Bearbeitung.  Das ist mehr, als wir erwartet haben.“

Die Mikrokredite richten sich vor allem an kleine Handwerksbetriebe, an Gewerbetreibende oder an Freiberufler, aber auch an Existenzgründer oder Leute, die eine fremde Firma übernehmen wollen. Die Idee ist, dass sie unbürokratisch und schnell Geld bekommen.

Handwerker klagen oft über die mangelhafte Zahlungsmoral einzelner Kunden und müssen oft monatelange auf ihr Geld warten. Das fehle dann oft, um neues Material zu kaufen oder ein Projekt vorzufinanzieren. Geld von der Bank ist oft nur mit hohen Sicherheitsauflagen oder Bürgschaften zu bekommen und meist auch nicht kurzfristig.

„In der Vergangenheit konnten gerade kleinere Firmen dies oftmals nur stemmen, weil sie private Geldquellen angezapft oder Lieferantenkredite bekommen haben“, sagte Wirtschaftsminister Gerber. Nun gebe es die  Mikrokredite.

Zinssatz unter denen der Banken

Olav Wilms von der Investitionsbank des Landes sagte: „Der Mikrokredit hat eine Lücke gefüllt.“ Die Kleindarlehen in Höhe von 2000 bis 25000 Euro würden komplett in einer Summe ausgezahlt. „Der Zinssatz liegt derzeit bei 1,77 Prozent“, sagt er. Und damit deutlich unter denen der Banken. Der weitere Vorteil: Die Zeitspanne zwischen Antragstellung und Bewilligung liegt durchschnittlich bei  vier Wochen.

Ein Beispiel ist die kleine Firma „Rad der Stadt“ in Prenzlau. Der Chef Kay Plichta erzählte, dass er zwar immer wieder Anfragen hat von Leuten, die bei ihm ein Rad für einen Tagesausflug mieten wollen, die dann aber keine Unterkunft vor Ort finden. Also hat er sich mit dem Kredit ein Haus gemietet, hat es etwas umgebaut und bietet in der Radler-Unterkunft zwölf Gästebetten an. „Bei der Bank hätte ich drei Prozent Zinsen zahlen müssen“, sagte er. „Wenn alles gut läuft, biete ich bald auch noch Frühstück an.“

Tanzlehrerin Juliane Daum hat sich für ihre 25.000 Euro Räume gemietet und die  Kaution für die Tanzschule bezahlt, hat dort einen balletttauglichen Boden legen und große Spiegel anbringen lassen. „Ein wenig Geld habe ich extra aufgehoben, für den Fall, dass es anfangs nicht gleich so gut läuft und ich trotzdem die Miete zahlen kann“, sagt sie. Doch es läuft bestens. Sie hat ihre Tanzschule am 20. Januar eröffnet. „Der Andrang ist so groß, dass alle Kurse bereits voll sind. Einige Kurse sind so überbucht, dass ich weitere Termine anbieten muss. Was will ich mehr?“