Sie hat es schon wieder getan. Sie, das ist Monika Grütters. Getan, das ist die Überwindung sämtlicher kulturföderalen Reflexe, die in Deutschland besonders stark zucken, wenn es um Berliner Kultur geht. Sie hat sich mit Michael Müller geeinigt: Die seit zwei Jahrzehnten schwelende Affäre um die Erweiterung des Bauhaus-Archivs soll gelöst werden. Bund und Land Berlin zahlen je die Hälfte der Baukosten und stellen dafür jeweils bis zu 28,1 Millionen Euro zur Verfügung.

Jetzt wurde der Architektenwettbewerb für die Sanierung des von Walter Gropius entworfenen Altbaus am Landwehrkanal und dessen Erweiterung durch ein nur den Ausstellungen gewidmetes Haus an der Klingelhöfer Straße ausgeschrieben. Es ist allerhöchste Zeit: 2019 steht das Jubeljahr an, in dem die 100. Wiederkehr der Gründung des Bauhauses, der einflussreichsten Kunst- und Architekturschule des 20. Jahrhunderts, gefeiert wird. Berlin wird es allerdings nicht mehr schaffen, die Fertigstellung des Projekts ist auf 2021 terminiert.

So wie auch die Bauhaus-Stiftung in Dessau und das Bauhaus-Museum in Weimar mit ihren Neubauprojekten im Verzug sind. Zudem soll in Weimar neu gebaut werden, obwohl es in den Räumen des einstigen Gau-Forums ausreichend Platz für das Museum gäbe. Und in Dessau soll das Museum auf Wunsch von Kulturminister Stefan Dorgerloh an einem Ort errichtet werden, der nach Meinung so ziemlich aller Fachleute der falsche ist.

Besucherzahlen steigen

Solche Debatten drohen in Berlin nicht. Das Bauhaus-Archiv gilt mit dem New Yorker Museum of Modern Art als die bei weitem wichtigste Sammlung zum Thema, die Besucherzahlen steigen ständig. Allenfalls die Methode des Wettbewerbs wird noch Aufregung erzeugen. Wegen des Zeitdrucks ist er nämlich als Bewerberverfahren für insgesamt 35 Büros ausgeschrieben. Diejenigen, die den Auftrag erhalten wollen, müssen also Erfahrung nachweisen. Jungen Kräften, die auch gute Ideen haben, wird so der Zugang verwehrt.

Ein Sensationserfolg, wie ihn die heute weltberühmten Architekten von Gerkan, Mag und Partner in den 1960ern mit dem Flughafen Tegel hatten, wünscht beim Bauhaus-Archiv offenbar niemand. Darauf weist auch die der Internet-Ausschreibung zu entnehmende Liste der fünfzehn Büros, die bereits gesetzt sind. Sie sind durchweg seit zwanzig Jahren wohlerfahren im Museumsbau in Europa, Japan und Nordamerika. Eine Revolution des Museumsgedankens aus ihren Händen würde überraschen.

Trotzdem wird es spannend. Und sei es nur, weil ja bald auch das Verfahren für den Neubau für die Nationalgalerie am Kulturforum ausgeschrieben werden soll. Wird es Doppelungen geben?