Mit Hilfe des Vorkaufsrechts sollen eigentlich Mieter vor habgierigen Investoren geschützt werden. Doch wie eine Recherche der Morgenpost ergab, nutzt der Senat dieses Mittel auch, um sich Büroräume für Behörden zu sichern. 

Konkret geht es um eine Immobilie in Alt-Moabit 59-64. Dort sind derzeit 22 Unternehmen untergebracht, die sich wahrscheinlich bald neue Bürogebäude suchen müssen. Wie die Morgenpost berichtet, soll das Haus mit knapp 3000 Quadratmeter Fläche rund 42 Millionen Euro kosten und mithilfe des Investitionstopfes Siwana finanziert werden. Der Plan sei kürzlich dem vertraulich tagenden Vermögensausschuss des Abgeordnetenhauses vorgelegt worden.

Handelskammer befürchtet Abwanderung der Unternehmen

Auch in der Klosterstraße 71 nutzte der Senat das Vorkaufsrecht. Das dortige Gebäude wollte der technologiebasierte Finanzdienstleister Hypoport AG kaufen. Kurz vor dem Abschluss ging das Land jedoch dazwischen. Der bisherige Mietvertrag mit dem Unternehmen soll in der Folge nicht über 2019 verlängert werden. Zum Ausgleich wurden der Hypoport Flächen in Marzahn oder Adlershof angeboten, sagte Firmensprecher Sven Westmattelmann der Morgenpost. Allerdings seien die Ortsteile keine Option, da das Unternehmen befürchte, dass die in der Branche begehrten IT-Spezialisten nicht am Stadtrand arbeiten wollen. Die Hypoport sei derzeit noch mit dem Senat im Gespräch.

Die Industrie- und Handelskammer ist besorgt. Sie fürchtet, dass umsatzstarke Unternehmen sich künftig lieber in anderen Städten ansiedeln. Der Senat hält dennoch an seiner Strategie fest. Der Morgenpost sagte ein Sprecher von Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD): „Ziel ist es, langfristig eine Flächenreserve zu sichern, um Verwaltungen möglichst in landeseigenen Immobilien unterzubringen und den Bestand angemieteter Gebäude sukzessive abzubauen.“ (BLZ)