Wenn sich einer wie der Filmregisseur Rosa von Praunheim bis ins hohe Alter von fast 71 Jahren ein Gemüt mit kindlichen Zügen erhalten hat, dann wirkt seine Auszeichnung mit dem First Steps Ehrenpreis nur konsequent. Eigentlich sollte die Bühne des Theaters am Potsdamer Platz, in dem am Montagabend schon zum 14. Mal der Nachwuchspreis First Steps Award verliehen wurde, auch diesmal den jungen Absolventen deutschsprachiger Filmschulen gehören. Um in diesem Reigen auch einen gestandenen Herrn wie Rosa von Praunheim ehren zu können, mussten die Organisatoren nur ganz milde Verrenkungen vollführen.

Praunheim wurde also für die „Inspiration, die er als Mentor und Lehrer für jüngere Filmemacher darstellt“, geehrt. Er hat keine Sekunde gezögert, diesen Preis anzunehmen: „Ich habe in meinem Leben so wenig gekriegt. Ich nehme alles! Auch einen Preis für den schlechtesten Film würde ich nicht ablehnen.“

Für Schauspielerin Stefanie Stappenbeck war die First-Steps-Gala das Debüt als Moderatorin. Sie bestritt Minuten vor der Gala, nervös zu sein („Ich nenne es Vorfreude...“). Und erklärte so, wie es zu ihrem Ausflug in den fremden Beruf kam: „Als die Anfrage per Mail kam, habe ich aus einer Laune heraus innerhalb von einer Minute zugesagt. Und am nächsten Tag Angst bekommen. Aber ich stehe zu meinem Wort. Jetzt habe ich den Salat!“ Sie absolvierte den Job, zu dem Interviews mit Gastgeber Nico Hofmann und anderen gehörten, dann sehr anständig.

In der Vergangenheit war die Auszeichnung mit dem First Steps Award gelegentlich die entscheidende Hilfe bei der Suche nach einem Filmverleih, der sich traut, den Anfängerfilm in die Kinos zu bringen. David Dietl, nominiert in der Kategorie „Abendfüllende Spielfilme“, benötigte diese Hilfestellung für seinen „König von Deutschland“ gar nicht mehr, denn der hat es mit seiner Starbesetzung von Olli Dittrich bis Veronica Ferres schon auf die große Leinwand geschafft.

Regisseurin Sherry Hormann gehörte zur Spielfilmjury und war sich der großen Bürde bewusst: „First Steps ist ein karrierefördernder Preis, und die Verantwortung ist enorm!“ In der Dokumentarfilmjury saß der Filmemacher David Sieveking: „Es ist schon witzig: Gerade wurde man selber noch als ’Nachwuchsfilmer’ gehandelt, schon sitzt man in einer Jury, um den Nachwuchs zu beurteilen.“ First Steps Awards gingen an Talkhon Hamzavi (für „Parvaneh“ in der Kategorie Kurz- und Animationsfilm), Barbara Ott („Sunny“/Spielfilm bis 60 Minuten), Anna Thommen („Neuland“/Dokumentarfilm) und an Jöns Jönsson („Lamento“/Abendfüllender Spielfilm). Mit dem „No Fear Award“ im Gedenken an den Produzenten Bernd Eichinger wurde Cosma Maria Degler ausgezeichnet (für „Zwei Mütter“).

In der Werbefilmkategorie wurde die Toleranz von Sponsor Mercedes-Benz aufs Äußerste strapaziert. Ausgerechnet der unautorisierte Mercedes-Spot von Tobias Haase von der Filmakademie Ludwigsburg, von dem der Autobauer sich nach Kräften distanziert hatte (was seinen Siegeszug im Internet nicht aufhielt), gewann die von Mercedes gestifteten 10 000 Euro. Im Spot, der in der Werbefilmjury heftig diskutiert wurde, stirbt ein gewisser Adolf Hitler schon als Kind, bevor er zum Massenmörder werden konnte. (Weitere Infos unter www.firststeps.de).