Berlin - Joko Winterscheidt, 33, ist einer der bekanntesten Nachwuchsmoderatoren des Landes. Zusammen mit Klaas Heufer-Umlauf ist er mit Sendungen wie „17 Meter“ und „neoParadise“ erfolgreich. Zudem moderierte Winterscheidt Sendungen wie „The Dome“ und die Verleihung des Musikpreises Echo. Am Montag wird er bei der Verleihung des Nachwuchsfilmpreises „First Steps“ durch den Abend führen.

Herr Winterscheidt, wie kam es denn zur Moderation von „First Steps“? Als Filmschaffender sind Sie ja bislang nicht in Erscheinung getreten.

Stimmt, ich habe zwar neulich eine kleine Nebenrolle im Film eines Freundes gespielt, aber grundsätzlich ist das richtig. Die Anfrage für die Moderation war ganz offiziell und man sagte mir, dass die Filmakademie sich sehr freuen würde. Da habe ich natürlich zugesagt. Ich finde es einfach cool, dass es einen Preis für den Filmnachwuchs gibt, im Fernsehen gibt’s das ja nicht. Ich habe keine Sekunde gezaudert.

Haben Sie die eingereichten Filme alle gesehen?

Nein, das ist bei 218 Filmen ja auch schwer, ich sitze auch nicht in der Jury. Ich finde aber die Bandbreite spannend und die Tatsache, dass es Filme von Menschen aus meiner Generation sind, die Dinge und Erlebtes verarbeiten, das ich auch kenne. Die von denselben politischen Ereignissen geprägt sind wie ich. Ich habe ein paar Kurzfilme gesehen, da ist viel qualitativ Hochwertiges dabei und teilweise ziemlich starker Tobak.

Sie haben ja Sendungen von The Dome bis hin zum Echo moderiert, sind also offenbar recht schmerzfrei. Gibt es etwas, das Sie nicht moderieren würden?

Schwer zu sagen, das hängt von vielen Parametern ab. Ich habe auch mal in einem Interview gesagt, ich würde nie „Wetten, dass..?“ moderieren und trotzdem tauchte das Gerücht dann auf. Die Frage für mich ist, ob mich eine Moderation irgendwie weiter bringt, und natürlich war es handwerklich auch interessant, vor so vielen tausend Menschen zu stehen und zu moderieren. Insofern waren Sendungen wie The Dome gut für mich.

Denken Sie, dass Markus Lanz die richtige Wahl für „Wetten, dass ..?“ ist?

Absolut, der Mann hat etwas, was bislang vielleicht noch nicht wirklich deutlich geworden ist – Entertainerqualitäten.

Sind Sie eigentlich froh, auch mal einen Abend ohne Klaas Heufer-Umlauf zu bestreiten?

(lacht) Ich wusste, dass diese Frage kommt. Ich muss mir keine Erlaubnis einholen, wenn ich was ohne Klaas machen möchte. Etwas zu zweit zu machen bedeutet natürlich, das eigene Ego zurückzufahren. Von daher ist es auch mal ganz schön, so einen Abend alleine zu moderieren. Das ist ja auch eine fette Veranstaltung, da sitzt die A-Liga des deutschen Films. Da ist es das kleinste Ding, dass Klaas nicht dabei ist.

Sehen Sie sich eigentlich auch privat?

Wir verbringen so viel Zeit miteinander, da ist man froh über jede freie Minute. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass wir ein privates Treffen vermeiden würden. Das ergibt sich automatisch, unsere Freundeskreise überschneiden sich.

Planen Sie auch mal eine, sagen wir, seriösere Sendung?

Ich finde schon, dass wir bei ZDFneo zeigen, dass wir auch durchaus beide ernsthaftere Seiten haben. Aber man muss auch für sich persönlich sagen: Jetzt ist es Zeit für etwas anderes und bislang empfinde ich das einfach nicht so. Ich glaube allerdings auch nicht, dass man mir das abnehmen würde, wenn ich plötzlich eine seriöse Talkshow moderieren würde. Ich finde es auch super, dass ich mit 33 noch als Arbeit bezeichnen kann, was mir auch schon mit 16 Spaß gemacht hat.

Das Interview führte Marcus Weingärtner.