Der Bau eines neuen Wohnhochhauses auf der Fischerinsel, das die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) errichten will, ist aus Sicht des Senats noch nicht gescheitert. „Wir halten daran fest, dass das Wettbewerbsergebnis umgesetzt wird“, sagte Petra Rohland, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), der Berliner Zeitung.

Das Hochhaus soll 19 Etagen haben und am Mühlendamm stehen. Der Bezirk Mitte hatte in der vorigen Woche jedoch entschieden, dass das Projekt nicht der vorhandenen Struktur auf der Fischerinsel mit ihren sechs einzeln stehenden Hochhäusern entspricht und sich nicht ins Gebiet einpasst.

200 neue Wohnungen

Die Senatsverwaltung sieht das anders. Denn nach ihrer Einschätzung entspricht das WBM-Vorhaben beispielhaft den Zielen einer verdichteten Stadt. Wie die Sprecherin betonte, handelt es sich um ein landeseigenes Grundstück sowie um eine städtische Wohnungsbaugesellschaft, die baut. Zudem entstehen 200 neue Wohnungen in der Innenstadt.

„Es geht nicht um die Frage, ob gebaut wird, sondern wie“, sagte Petra Rohland. Der Senat geht davon aus, dass die WBM einen Widerspruch gegen den Bescheid des Bezirks einlegt. Dann wäre die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die zuständige Behörde, die über das Bauvorhaben entscheidet.

Für das Grundstück Fischerinsel/Ecke Mühlendamm wurde schon im September 2015 ein Wettbewerb entschieden. Das Berliner Architekturbüro DMSW wurde damals zum Sieger gekürt. Vorgesehen ist ein U-förmiger Komplex mit achtgeschossigen Wohnhäusern, aus dem der 58 Meter hohe Wohnturm herausragt. Das Wettbewerbsergebnis weicht von den bisherigen Vorgaben des Senats für die Fischerinsel ab, die keinen weiteren Turm vorsahen. Dennoch entschied sich die Jury, in der auch der Bezirk vertreten war, für den Wohnturm.

Anwohner hatten protestiert

Gegen das Projekt hatten Anwohner protestiert, weil das neue Hochhaus nur 30 Meter von einem Bestehenden entfernt sein soll. Die Bewohner befürchten, dass die unteren Wohnungen verschattet werden. Unterstützt wurden sie vom Verein Berliner Historische Mitte, der ein Gesamtkonzept für die historische Mitte fordert. Die Ablehnung des Bezirks sei „endlich mal eine gute Nachricht“, sagte Vereinschefin Annette Ahme.

Trotz mehrerer Unterschriftensammlungen gegen das Projekt konnten die Anwohner nicht verhindern, dass im Frühjahr 84 Bäume gefällt wurden. Die Fläche ist jetzt mit einem Metallzaun abgesperrt, demnächst beginnen archäologische Grabungen. Damit es keine weiteren Verzögerungen gibt, fordert Ex-SPD-Chef Jan Stöß einen „Neustart mit breiter Bürgerbeteiligung, um gemeinsam mit den Nachbarinnen und Nachbarn zu beraten, wie eine Bebauung möglich ist, die das Quartier verträgt“.

Ein ähnliches Vorgehen deutet der Senat bereits an. „Wir wollen in den Dialog mit den Bürgern treten“, sagte Sprecherin Petra Rohland. Von den Anwohnern wolle man wissen, welche Wünsche es an eine Neubebauung gibt. Termine für den Bürgerdialog wurden nicht genannt.