Geschützte Radwege an jeder Hauptstraße, 100 Kilometer Radschnellwege und Radparkhäuser: Das neue Mobilitätsgesetz soll Radfahren in der Hauptstadt so sicher und attraktiv wie möglich machen. Doch weder der Senat noch die Bezirke haben einen genauen Überblick darüber, wo in der Stadt die geplanten Radverbindungen entstehen sollen. Ein neues Online-Projekt möchte nun für mehr Transparenz sorgen.

Die Plattform FixMyBerlin hat sämtliche geplante Bauvorhaben zusammengetragen und für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf einer interaktiven Karte kann man sehen, wo genau ein neuer Radweg in der Hauptstadt entstehen soll. Zusätzlich kann die Karte auch Auskunft darüber geben, in welcher Phase sich das Bauvorhaben derzeit befindet.

Bereits an 20 Orten in Berlin wird gebaut, acht Projekte sind schon fertig. Wer sich auf der Plattform anmeldet, kann sich zusätzlich über die Entwicklung einzelner Bauvorhaben benachrichtigen lassen.

Großteil der Straßen gilt als unsicher

Doch die Karte kann noch mehr: Eine zweite Ansicht zeigt, wie radfreundlich Berlins Hauptstraßen nach den Kriterien des neuen Mobilitätsgesetzes tatsächlich sind. Um die Radtauglichkeit zu bewerten, hat die Plattform einen sogenannten Happy-Bike-Index entwickelt. Um diesen zu ermitteln, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Dabei wird darauf geachtet, wie viele Autos auf einer Straße unterwegs sind, wie schnell sie fahren dürfen und um welche Art von Radweg es sich handelt. Die Ergebnisse werden dann von „sehr schlecht“ bis „super“ eingestuft.

Das Ergebnis: Von insgesamt 2893 Kilometern Hauptstraße gelten lediglich 758 Kilometer als sicher. Vom Ziel, an allen Hauptstraßen mindestens zwei Meter breite und geschützte Radwege zu bauen, ist die Stadt also noch weit entfernt.

„Das Mobilitätsgesetz in Daten übersetzen“

Gefördert wird das Open-Source-Projekt mit knapp 100.000 Euro vom Bundesverkehrsministerium. Die Daten stellen wiederum die Senatsverwaltung für Verkehr und die Bezirke zur Verfügung. Allerdings sind diese momentan noch nicht komplett. „Die Bezirksämter von Lichtenberg und Charlottenburg-Wilmersdorf haben uns mitgeteilt, dass sie selbst keine eigene Planung zu Baumaßnahmen haben“, erklärt der Sprecher von FixMyBerlin, Heiko Rintelen. Aus Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf habe man hingegen überhaupt keine Rückmeldung erhalten.

Das siebenköpfige Team von FixMyBerlin wolle die Politik mit ihrer Plattform jedoch nicht kritisch beobachten. Viel eher wolle man die Umsetzung des Mobilitätsgesetzes für alle nachvollziehbar gestalten. „Wir machen den Weg zur Fahrradstadt Berlin sichtbar. Dafür übersetzen wir das Mobilitätsgesetz in Daten und zeigen, was es für die Stadt und für den Einzelnen vor Ort bedeutet”, so Rintelen.