„Flight“-Premiere: Wo bin ich denn hier gelandet?

Berlin - Als Hollywoodstar stellt man sich bestimmt öfter die Frage: Wo bin ich hier eigentlich? Und wäre in solchen Momenten manchmal auch schon mit einem groben Hinweis auf Land oder Kontinent zufrieden. Schauspieler Denzel Washington, der am Montagabend im Event-Cinema im Sony-Center am Potsdamer Platz seinen neuen Film „Flight“ vorstellte, bekannte sich gerade dazu, gelegentlich die Orientierung zu verlieren.

Im Zusammenhang mit seinem Besuch am Sonnabend bei „Wetten, dass..?“ ist ihm das erst wieder passiert. „Nach der Sendung saß ich im Flugzeug und wusste in dem Moment nicht, wohin wir fliegen.“ Es ging zurück nach Berlin, wo er schon auf dem stationsreichen Hinweg (London-Berlin-Straßburg-Offenburg) gewesen war, und wo die Gäste seiner Deutschlandpremiere im Flockenwirbel am schneeweiß-roten Teppich auf ihn warteten.

Ein Held, der keiner mehr sein darf

Was Regisseur und Oscar-Preisträger Robert Zemeckis angesichts tapfer jubelnder und ziemlich durchgefrorener Fans einen „sehr warmen Empfang an einem sehr kalten Abend“ nannte, ließ seinen Hauptdarsteller bibbern und sogar an seinem Verstand zweifeln. Auf die Frage, warum er sich eigentlich keine Mütze aufgesetzt hat, wo er doch so friert, griff Denzel Washington spontan zur Selbstbeschimpfung: „Weil ich doof bin!“ Das sieht nicht jeder so. Seine deutsche Kollegin Martina Gedeck bescheinigte ihm am Rande der Premiere wenigstens eine Spezialschläue: „Ich mag ihn sehr. Er hat eine sehr starke Ausstrahlung und besitzt große schauspielerische Intelligenz.“

In „Flight“ spielt Washington einen Piloten, der sein Flugzeug in einer gefährlichen Situation durch besonderes fliegerisches Können so auf den Boden bringt, dass viele Menschenleben gerettet werden. Man feiert ihn anschließend als Helden, bis bekannt wird, dass er bei diesem Manöver Alkohol im Blut hatte. Washington hat für seine überzeugende Darstellung des Helden, der plötzlich keiner mehr sein darf, eine Oscar-Nominierung in der hart umkämpften Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ bekommen. Die Auseinandersetzung mit der Rolle brachte ihn laut eigener Aussage dazu, seine Trinkgewohnheiten zu überdenken.

Perlen an der Komischen Oper

Wer angibt, so eine durchaus schlüssige Weisheit, hat mehr vom Leben. Am Montag zur Mittagsstunde gab die Leitung der Komischen Oper an. Man präsentierte drei Perlen der gerade laufenden Kurt-Weill-Woche: Gisela May, Ute Lemper und Dagmar Manzel. Jede der Damen dürfte sich angesichts ihrer künstlerischen Lebensleistungen durchaus divenhaftes Verhalten erlauben. Sie gaben sich allerdings mit der Gelassenheit, an der man echte Stars erkennt, die niemandem mehr etwas beweisen müssen.

Nur Gisela May machte klare Ansagen in Richtung der Fotografen, die allerdings nicht Ausdruck einer divenhaften Attitüde, sondern reine Notwehr waren: „Kein Blitz, sonst gehe ich sofort nach Hause!“ Sie hatte den Weg von ihrer Wohnung in der Friedrichstraße bis zur Komischen Oper mit Sonnenbrille absolviert, schon der Schnee draußen war für ihre 88-jährigen Augen nur schwer erträglich. Wenn sie sich ohne Brille fotografieren lassen sollte, mussten die Fotografen Rücksicht nehmen!

Ute Lemper hatte ihren Auftritt im Rahmen der Kurt-Weill-Woche schon hinter sich, sie sang am Sonntag in „Last Tango in Berlin“. Dagmar Manzel steht mit der Wiederaufnahme von „Sieben Songs/Die sieben Todsünden“ am Montag und am Mittwoch im Programm. Gisela May soll am Donnerstag Stargast des Konzerts mit Kurt-Weill-Songs sein (Tickettelefon 47 99 74 00).