In jeder Stunde kommt ein Zug am Hauptbahnhof an, aus dem um die tausend Kinder, Frauen, auch Männer, steigen, die aus der Ukraine geflohen sind. 700 von diesen Menschen haben ein Anliegen. Durst, Hunger, sie sind krank, suchen einen Anschlusszug, eine Unterkunft. So schildert es ein Berliner, der am Dienstag half, die Menschen in Empfang zu nehmen. Es war Feiertag, also fuhr er morgens um acht hin.

Das machen Hunderte Berliner jeden Tag, andere helfen am Zentralen Omnibusbahnhof. Aber sollte nicht langsam der Senat einen Teil von dem übernehmen, was diese Menschen leisten? Mit dem eigenen Krisenstab gut sichtbar an Bahnhöfen stehen? Eine Nummer in der Stadt bekannt sein, die man Tag und Nacht anrufen kann, um Hilfe für Probleme zu finden, die kein Freiwilliger lösen kann? Ja: Tag und Nacht.

In einer polnischen Stadt habe er die private Handynummer der Koordinatorin des Bürgermeisters bekommen, berichtet ein Helfer, der Spenden nach Polen und Menschen nach Berlin gefahren hat. In Berlin und Potsdam hänge man in Telefonschleifen fest. Selbst große Hilfsorganisationen sollen in Berlin Probleme haben, Ansprechpartner zu finden.

Am Dienstag war der 13. Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine. Unter den Menschen, die in jeder freien Minute an den Bahnhöfen helfen, wächst die Erschöpfung. Und teilweise auch der Frust auf den Senat. Die privat organisierte Hilfe funktioniere, berichten Helfer, mit Improvisation, Selbstorganisation, mithilfe der Deutschen Bahn, die sogar Krisenberater herumschicke, die Helfer fragen, ob sie noch können.

Es war erst der 13. Tag. Zwei Millionen Menschen sind aus der Ukraine geflohen – Millionen weitere werden folgen. Es ist erst der Anfang einer Ausnahmesituation, auch für Berlin. Langsam sollte der Senat seine Kräfte sortiert haben.