Seit mehr als einem Jahr campieren Dutzende junge Männer aus afrikanischen Ländern in Zelten auf dem Kreuzberger Oranienplatz. Jetzt wollen sie endlich umziehen und zwar fast alle und am liebsten sofort. Lieber heute als morgen. So schnell ist allerdings die Verwaltung nicht. Anstatt einen Umzugsplan aus der Schublade zu ziehen, wird nun erstmal ein Arbeitskreis gegründet. Seine Aufgabe: einen geordneten Umzug vorbereiten. das kann dauern.

Wie berichtet, hatte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) den Flüchtlingen ein weiteres Haus als Unterkunft angeboten. 102 der Flüchtlinge könnten noch in dieser Woche in ein ehemaliges Hostel an der Gürtelstraße in Friedrichhain einziehen. Die Flüchtlinge nahmen den Senator beim Wort. „Niemand will hier mehr schlafen“, sagte Bashir Zakaria, einer der Flüchtlingsvertreter, der auch an den Verhandlungen mit dem Senat beteiligt war, während einer Versammlung auf dem Oranienplatz. Gemeinsam mit mehreren Dutzend Männern besichtigte Zakaria die Unterkunft. Den meisten scheint das Haus mit Drei- und Vierbettzimmern, Duschen, Toiletten und Küchenzeilen gefallen zu haben. Jetzt wollen sie da rein.

467 Namen auf einer Liste

Allerdings nicht sie allein. Unter denen, die die Unterkunft besichtigt haben, waren auch zahlreiche Männer, die bereits in einem Caritas-Heim an der Residenzstraße untergebracht sind. Diese Unterbringung ist allerdings befristet. Ende Mai müssen die 80 Männer dort wieder ausziehen. Auch sie wollen nun in die Gürtelstraße umziehen.

Und noch mehr haben bereits Ansprüche angemeldet. Insgesamt befinden sich 467 Namen auf einer Liste, die Flüchtlinge gemeinsam mit Behördenvertretern angefertigt haben. Diese Liste ist bindend. Nur wer darauf steht, profitiert vom Angebot des Senats, untergebracht zu werden, unabhängig davon, wo der Betreffende in Europa eingereist ist und bereits Asylverfahren angelaufen sind. Die Liste liegt bei einem Anwalt, damit sich niemand nachträglich draufschummeln kann.

Wie berichtet, geht die Senatssozialverwaltung davon aus, all diese Menschen in verschiedenen Einrichtungen des Landes Berlin unterbringen zu können. Nur wann, ist zurzeit vollkommen ungeklärt. Federführend ist die Senatsverwaltung für Integration. Dort waren am Mittwoch zu diesem Punkt nur sehr dürftige Auskünfte zu bekommen. Die nächsten Schritte müsste sauber vorbereitet werden, hieß es. Einen Zeitplan für sämtliche Umzüge gebe es noch nicht. Noch hätten nicht alle Flüchtlingsvertreter, die Bedingungen des Senats akzeptiert.

Vorgesehen ist, dass die Flüchtlinge sowohl das Camp am Oranienplatz bis auf ein Info-Zelt beseitigen, wie auch die besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule im Bezirk Kreuzberg verlassen. „Wir haben eine Koordinierungsrunde mit Vertretern aus den beteiligten Senatsverwaltungen für Soziales, Inneres und Integration, Caritas, Diakonie und dem Bezirksamt Kreuzberg gegründet“, sagte Franziska Schönberner, Sprecherin der Integrationsverwaltung. Die Runde tagt einmal pro Woche. Bis auf weiteres.