Es geht auch ohne Eingriff ins Gesetz. Vertreter der Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld haben am Montag Pläne vorgestellt, nach denen Flüchtlinge auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof in einem Dorf aus temporären Bauten untergebracht werden können.

Die Gebäude sollen auf dem betonierten Vorfeld vor den Hangars entstehen, sagte Christiane Bongartz von der Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld. Dort könnten solche Bauten errichtet werden, auch ohne das Tempelhof-Gesetz zu ändern, das durch den Volksentscheid im vergangenen Jahr in Kraft gesetzt wurde. Das Gesetz verbietet die Errichtung von Gebäuden auf dem Tempelhofer Feld. Bauten auf dem mehr als 200.000 Quadratmeter großen Vorfeld sind dagegen möglich. Denn das ehemalige Rollfeld liegt außerhalb des Geltungsbereichs des Gesetzes.

Wie berichtet, will der Senat Flächen des Feldes am Tempelhofer Damm für eine Unterbringung von Flüchtlingen nutzen – weitere Flächen an der Oderstraße sollen als Reserve vorgehalten werden. „Wir diskutieren deshalb im Senat eine Ergänzung des geltenden Thf-Gesetzes“, sagte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) vor wenigen Tagen. „Es geht um die Möglichkeit, befristet bis 2019 am Tempelhofer Damm Tragluft- und andere Hallen aufstellen zu können.“ Es wird erwartet, dass der Senat auf seiner heutigen Sitzung darüber entscheidet. Vertreter der Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld warnen davor. Werde das Tempelhof-Gesetz jetzt angetastet, werde es auch danach weiter geändert, befürchtet Christiane Bongartz. „Wir hoffen auf einen Dialog und darauf, dass der Senat seine Entscheidung zur Änderung des Thf-Gesetzes nochmal überdenkt“, betonte ihr Mitstreiter Hermann Barges.

Geisel: Vorfeld wird gebraucht

Die Ver- und Entsorgung der Dorf-Bauten könnte über einen bereits vorhandenen Regenwasserkanal erfolgen, argumentieren die Vertreter der Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld. Die nötigen Leitungen könnten für diesen Zweck in den mehrere Meter hohen Kanal, der unter dem Vorfeld verläuft, eingehängt werden. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel steht einer Nutzung des Vorfeldes skeptisch gegenüber. Die Versorgung möglicher Flüchtlingsunterkünfte sei auf dem Vorfeld nur mit erheblichem technischem Aufwand möglich, sagte er. Hinzu komme, dass demnächst alle sieben Hangars mit Flüchtlingen belegt würden.

Das seien dann mindestens 5000 Menschen. Diese große Zahl an Menschen auf engem Raum sei schon an sich „eine große Herausforderung“. Hinzu komme aber, dass das Vorfeld bei der Versorgung und Sicherheit der Menschen eine entscheidende Rolle spiele, es werde beispielsweise zur Abwicklung der notwendigen Logistikverkehre für die Ver- und Entsorgung gebraucht, aber im Notfall auch für Rettungsfahrzeuge. „Eine Erschließung am Tempelhofer Damm ist wesentlich einfacher“, so Geisel.