Die Umzugsvorbereitungen für mehrere Tausend Flüchtlinge laufen auf Hochtouren. In den nächsten vier Monaten sollen die Geflüchteten die Sporthallen verlassen, in denen sie monatelang notdürftig untergebracht waren. Von Juni bis September werden auf diese Weise 47 Sporthallen wieder frei werden. Aus weiteren zehn Hallen sollen die Menschen ausziehen, sobald geklärt ist, wo sie unterkommen können. Einen entsprechenden Plan legte der Staatssekretär für Flüchtlingsfragen Dieter Glietsch (SPD) am gestrigen Donnerstag dem Rat der Bürgermeister vor. Die Liste liegt auch der Berliner Zeitung vor.

Die Behördenformulierung für den Plan lautet: „Freizug aller zur Flüchtlingsunterbringung genutzten Sporthallen“. Der Senat hatte bereits Anfang Mai ein Konzept für den systematischen Umzug beschlossen. Nun wird das große Umzugskarussell in Bewegung gesetzt. Dafür ist allerdings ein ausgefeilter Plan nötig. Denn in den meisten Hallen leben jeweils deutlich über hundert Menschen.

Neue Unterkünfte werden fertiggestellt

„Turnhallen sind als Unterkünfte für Menschen schlecht geeignet. Das wissen wir“, sagte Glietsch der Berliner Zeitung. Die Möglichkeit zur Veränderung biete sich jetzt, weil die Flüchtlingszahlen zurückgegangen sind und in den nächsten Monaten zahlreiche neue Unterkünfte fertig werden.

Begonnen wird mit der Turnhalle der Hector-Peterson Oberschule in Kreuzberg. Dort leben zurzeit 151 Menschen, vor allem Familien mit Schul- und Kindergartenkindern. Sie sollen in der Gemeinschaftsunterkunft an der Gehrenseestraße Platz finden. Auch die Geflüchteten in der Columbiasporthalle in Neukölln ziehen im Juni um. 138 Menschen wohnen dort zurzeit, auch hier sind viele Familien mit Kindern dabei. Sie ziehen größtenteils in die Notunterkunft am Tempelhofer Damm. Die 180 Bewohner der Grundschule Am Hohen Feld in Pankow ziehen in die Goscurthstraße. Bevorzugt werden bei der Umzugsplanung Familien. Alleinreisende Männer können stadtweit verteilt werden.

Überall soll sich der Plan nach den Einschätzungen in den betroffenen Bezirken richten. Hallen, die für den Leistungs- oder Behindertensport große Bedeutung haben, sollen schneller frei werden. Den größten Teil der Menschen werden die neuen Containerdörfer aufnehmen, die in den nächsten Monaten fertig werden. Sie sind zum Teil sehr groß. Das „Tempohome Buckower Damm“ genannte Heim in Neukölln wird zum Beispiel Platz für 1 000 Menschen haben, ebenso die neue Gemeinschaftsunterkunft am Rosenthaler Weg in Reinickendorf. Am Oberhafen in Mitte werden bald 500 Geflüchtete leben, so wie auch an der Wollenberger Straße in Lichtenberg.

Sanierung nach Auszug

Die Turnhallen müssen nach dem Auszug der Flüchtlinge saniert werden. Gemeinsam mit den Betreibern der Schulen soll ermittelt werden, was getan werden muss. Je nach notwendigen Arbeiten kann es deshalb sein, dass Turnhallen nicht zum kommenden Schuljahr, sondern erst ein Jahr später wieder zur Verfügung stehen.

Im Senat soll am kommenden Dienstag über weitere Unterkünfte diskutiert werden. Entschieden werden muss, wo noch 22 Modularunterkünfte gebaut werden können. Daran haben besonders die SPD-Senatoren im Senat großes Interesse. Sie kritisieren, dass nach den bisherigen Plänen von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) etwa 17 000 Menschen bis zum Jahr 2019 weiter in Notunterkünften wie den Flugzeughangars im Tempelhofer Flughafen wohnen sollen. Glietsch will in Tempelhof dauerhaft etwa 2 000 Notplätze vorhalten, falls die Flüchtlingszahlen wieder steigen.