Draußen auf dem eingezäunten Gelände des Horst-Korber-Sportzentrums haben sich ein paar hundert Flüchtlinge versammelt. Es sind überwiegend junge Männer, aber auch Familien. Alle haben kleine Koffer oder Plastiksäcke bei sich, in denen ihre Habe steckt. Die Stimmung ist entspannt. Die Sonne scheint, man plaudert, scherzt. Viele sehen müde aus. Die letzten Nächte waren wohl kurz. Zum Abschied gab es eine Grillparty, an diesem Montagmorgen steht der Umzug an. Die Flüchtlinge warten, dass sie in einen der Reisebusse steigen können, die bereit stehen. Sie bringen sie in ein anderes Notquartier.

Die beiden großen Sporthallen des Landesleistungszentrums für Leichtathleten und Ballsportler hinter dem Olympiastadion waren die ersten, die der Senat über Nacht zum Notaufnahmelager umfunktioniert hatte. Das war im September vergangenen Jahres. Seitdem wurden hier rund 35.000 Flüchtlinge registriert und durchgeschleust, erzählt Friedrich Kiesinger vom Flüchtlingsheimbetreiber Albatros. Die meisten Menschen, die nun umziehen müssten, wohnten jedoch schon Monate hier.

Sie alle scheinen Kiesinger ans Herz gewachsen zu sein. Wehmütig stellt er fest, dass es seine Schützlinge in ihrem neuen temporären Lager am Funkturm kaum besser haben dürften. Die Messehalle 26 sei weniger geeignet, dort gebe es keine vergleichbaren Räume und Sanitärbereiche. Jetzt wo der Winter endlich vorüber sei, hätten die Menschen sich vor dem Horst-Korber-Zentrum auch unter Bäumen aufhalten können, sagt Kiesinger. Vor der Messehalle gebe es nur eines: betonierte Parkplätze.

60 weitere Turnhallen sollen im Laufe des Sommers folgen

Kiesinger und seine Helfer haben viel zu tun an diesem Tag. Sie sollen die Hallen möglichst zügig leerräumen. Betten, Matratzen, Decken, Kissen und Bettwäsche – alles wird zusammengepackt, zum Teil auf das Messegelände transportiert oder vom zuständigen Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) andernorts eingelagert. In der Messehalle wurden bereits in den Vortagen neue Betten aufgestellt, damit die Flüchtlinge nicht unnötig warten müssen und kein Chaos entsteht.

Zwischendurch empfängt Kiesinger hohen Besuch. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) und eine Delegation des Landessportbunds (LSB) sind gekommen, um dem Umzugstermin Symbolkraft zu verleihen. Schließlich hat der Senat Wort gehalten. Die Hallen werden als erste wieder frei gemacht, die übrigen rund 60 mit Flüchtlingen belegten Schul-Turnhallen sollen im Laufe des Sommers folgen. LSB-Vizepräsident Thomas Härtel und LSB-Direktor Heiner Brandi sehen dennoch etwas streng aus, als Czaja und Kiesinger sie in der Halle begrüßen. Das ist wohl Teil ihres Jobs, schließlich vertreten die Funktionäre all jene Spitzensportler, die auf ihre gewohnte Trainingsstätte bis heute verzichten müssen. Härtel stellt sogleich eine Forderung auf: „Wir erwarten, dass die Renovierung der Hallen jetzt kein halbes Jahr dauert, sondern wir den Trainingsbetrieb Anfang September wieder aufnehmen können“, sagt er.

Wie stark die Gebäude durch die ungewohnte Nutzung beschädigt wurden, soll nun durch ein Gutachten der Berliner Immobiliengesellschaft BIM geklärt werden. Oberflächlich sehen die Hallen intakt aus, auch weil auf den emfindlichen Böden noch die schützenden Holzplatten liegen. Der LSB hatte aber schon vor Monaten ein eigenes Gutachten erstellt, in dem er den Sanierungsbedarf auf mindestens vier Millionen Euro bezifferte. Heimbetreiber Kiesinger, der auch das Management der Messehalle 26 übernimmt, lässt sich auf keine Diskussionen ein. Lieber bedankt er sich beim LSB, dass er und seine Leute hier so vielen Menschen in Not hätten helfen können.