Berlin stellt sich auf deutlich mehr Flüchtlinge ein als bisher erwartet. In den nächsten Tagen kommen womöglich mehrere hundert bis tausend Menschen, die über Budapest geflohen seien, sagte Regierungschef Michael Müller (SPD) am Mittwoch auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. „Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass sich die Situation der Flüchtlingsunterbringung in Berlin in den nächsten Tagen deutlich verschärft.

Einige der 4000 Flüchtlinge, die am Dienstag nach München gereist waren, kämen über den Königsteiner Schlüssel nach Berlin, sagte Müller. Derzeit seien 14.000 Flüchtlinge aus Budapest nach Deutschland unterwegs. Es sei damit zu rechnen, dass viele von ihnen auch direkt mit dem Zug über Dresden direkt nach Berlin reisten.

Neue Erstaufnahmestelle an der Bundesallee in Wilmersdorf

Laut Müller sind im August 5300 Flüchtlinge neu angekommen, erwartet wurden 4000. „Alle Prognosen wurden Woche für Woche übertroffen“, sagte er. Das Flüchtlingskonzept des Landes müsse der neuen Lage angepasst werden. Um die Menschen schnell unterzubringen, müssen nun doch Zelte aufgebaut werden, und zwar auf dem Gelände der früheren Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau.

Dort waren am Mittwochabend rund 100 Helfer vor Ort, die in der Nacht auf dem Innenhof der Kaserne 75 Zelte aufgebaut haben. In einem Zelt finden zehn Menschen Platz. Die Zelte dienen allerdings erst einmal nur als provisorische Notunterkunft, sagte der Sprecher der Feuerwehr, Christian Grätz. Die ersten Flüchtlinge sollen am Donnerstag nach Spandau kommen. Rund 900 Flüchtlinge sind in der Kaserne schon länger untergebracht.

Zudem werde geprüft, ob bis zu 1500 Menschen kurzfristig in zwei Hangars im ehemaligen Flughafengebäude in Tempelhof untergebracht werden könnten.

Drei weitere Immobilien mit 1000 möglichen Plätzen sollen in den nächsten 48 Stunden zur Verfügung stehen. Auch das ICC ist im Gespräch. Müller deutete zudem an, dass über einen beschleunigten Wohnungsbau mit niedrigeren Standards nachgedacht werde.

Neue Erstaufnahmeeinrichtung in Wilmersdorf

Im Gebäude der ehemaligen Landesbank an der Bundesallee in Wilmersdorf soll kommende Woche eine neue Erstaufnahmestelle entstehen. Dafür wurde das Hochhaus vom Land beschlagnahmt. Die Immobilie des Bundes eignet sich besonders zur Registrierung von Asylsuchenden, weil es dort eine große Eingangshalle mit Bankschaltern gibt. Anders als in der Moabiter Turmstraße, wo das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) derzeit seine Erstaufnahmestelle hat, müssten Flüchtlinge in Wilmersdorf nicht im Freien warten.

Müller, Czaja und Innensenator Frank Henkel (CDU) bedankten sich für das Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer. Berlin sei weiterhin auf deren Unterstützung angewiesen. Auch 250 Mitarbeiter aus anderen Verwaltungen wollen bei der Unterbringung helfen.