Der Betreiber der Flüchtlingsunterkunft in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof bereiten sich auf eine Schließung der Unterkunft vor. Wann genau dies geschehen soll, dazu wollten weder der Betreiber noch die zuständige Senatssozialverwaltung Angaben machen. „Es ist lange bekannt, dass die Hangars im Sommer geräumt werden sollen“, sagt Regina Kneiding, Sprecherin von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). Einen Termin für einen Auszug gebe es aber noch nicht.

Unabhängig von einem exakten Auszugstermin dünnt der Betreiber der Unterkunft, die Firma Tamaja, bereits sein Betreuungspersonal aus. Man habe zuletzt 20 Mitarbeitern gekündigt, bestätigt Geschäftsführer Michael Elias. Das habe aber nichts mit einer Schließung zu tun, „sondern ist der aktuellen personellen Situation geschuldet“.

Tatsächlich betreut Tamaja seit einiger Zeit mit dem gleichen Personal immer weniger Menschen. Von zwischenzeitlich bis zu 2500 Bewohnern seien seit vorigem Jahr, als wegen der drückenden Enge ein Belegungsstopp durchgesetzt wurde, nur noch knapp 700 Menschen da. Dies Zahl sei seit vergangenem September annähernd stabil, sagt Elias.

Stellenstreichungen aus betriebswirtschaftlichen Gründen

Die geringere Bewohnerzahl bedeute gleichzeitig, dass sich der Einsatz von bisher 140 Betreuern nicht mehr rechne, sagte Elias. Und das, obwohl es in Tempelhof besondere Anforderungen an den Betrieb gebe. So betrage die Entfernung zwischen den äußeren Enden des Tamaja-Areal auf dem ehemaligen Flughafen 1,8 Kilometer. Das bringe zum Beispiel eine besondere Herausforderung an Transport und Logistik mit sich, sagt Elias. Auch biete man allein schon wegen der schieren Größe anders als in anderen Unterkünften eine Betreuung von 6 bis 24 Uhr an. Dennoch müsse man jetzt aus betriebswirtschaftlichen Gründen Stellen kürzen.

Die ganz engen Zeiten in Tempelhof scheinen also vorbei zu sein. Erst recht, wenn die verbliebenen Bewohner tatsächlich einmal ausgezogen sein sollten, braucht Tamaja ein neues Beschäftigungsfeld. Es liegt nahe, dass sich dies ebenfalls in der Flüchtlingsarbeit befindet. Schließlich kann man dort jede Menge Expertise vorweisen.

Triste graue Kisten

„Wir hatten in den vergangenen anderthalb Jahren insgesamt knapp 12.000 Bewohner im Durchlauf“ rechnet Michael Elias vor. So hätten seine Sozialarbeiter auch bisher jeden auszugswilligen Bewohner beraten, etwa bei der Beantragung eines Wohnberechtigungsscheins – Bedingung für die Wohnungssuche.

Die Zukunft von Tamaja könnte sprichwörtlich direkt vor der Tür liegen. Auf dem Flughafenvorfeld entstehen derzeit temporäre Unterkünfte, sogenannte Tempohomes. Das sind baugleiche Container, die entsprechend günstig zu produzieren sind. Bei der Eröffnung der mittlerweile fünften Tempohomes-Anlage der Stadt auf den Buckower Feldern in Neukölln vor zehn Tagen wurden der Öffentlichkeit eingezäunte triste graue Kisten auf freiem Acker präsentiert. Zu einer Wohneinheit gehören jeweils drei Container, einer mit Küche, Klo und Dusche, zwei zum Wohnen. Auf diesen insgesamt 45 Quadratmetern leben bis zu vier Personen – im besten Fall ist dies eine Familie.

Inzwischen ist auf dem Flughafenvorfeld von Tempelhof ein Areal abgezäunt worden. Erste Gründungsarbeiten sind schon zu beobachten. Doch wann dort die Container geliefert, angeschlossen und am Ende sogar bezogen werden können, ist noch offen.

Sporthallen haben Priorität

Sozial-Sprecherin Kneiding verweist auf den politischen Zeitplan. Demnach sollten zuerst die „prekären Unterkünfte“ geräumt und die Bewohner anderswo untergebracht werden. Dazu gehören zwar auch die Hangars und das ICC, absolute Priorität haben aber die Sporthallen. Diese sollen noch im Laufe des Monats März geräumt sein.

Nach Kneidings Angaben sind in Berlin noch acht Sporthallen an sechs Standorten mit Flüchtlingen belegt. Dort herrscht bekanntlich eine besonders drückende Enge. Dies und der komplette Verzicht auf Privatsphäre führt immer wieder zu Spannungen.

Bei der Besichtigung der wenig anheimelnden Containern in Buckow sagte Senatorin Breitenbach: „Ich mag es überhaupt nicht, dass Menschen hinter Zäunen leben müssen, und auch das Ambiente könnte freundlicher sein. Das ist aber alles besser als in einer Turnhalle.“ Danach erst kämen Hangars und ICC an die Reihe, so Kneiding.

Übung in Geduld

Tamaja wird sich noch gedulden müssen mit dem Start einer möglichen Flüchtlingsbetreuung in den Tempelhofer Tempohomes. Das ändert aber nichts daran, dass man sich dafür bewerben wolle, sagt Geschäftsführer Michael Elias. Er verweist auf die „insgesamt guten Erfahrungen in den Hangars“, auf die sukzessive verbesserte Ausstattung, auf die sozialen Angebote, das Fußballfeld, das durch Hertha-Kapitän Vedat Ibisevic mitfinanziert wurde. All dies seien Errungenschaften, die man gerne in die neuen Tempohomes herüberretten wolle, sagt Elias.

Wenn das mit der Bewerbung für die Tempohomes nur so einfach wäre. Seit Sommer vergangenen Jahres liegt Berlins Flüchtlingspolitik in Trümmern, als der Senat wegen Formfehlern die europaweiten Ausschreibungen stoppen musste. Seit ihrem Amtsantritt greift Sozialsenatorin Breitenbach zu einem Trick. Weil in den Sporthallen „Gefahr im Verzuge“ drohe, müsse die Situation allein schon auf Grundlage des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (Asog) beendet werden. Mit dieser Konstruktion umging die Senatorin das aufwendige Ausschreibungsverfahren und vergab den Betrieb der Einrichtungen direkt.

Nicht nur Tamaja-Chef Elias hält das Asog-Konstrukt für fragwürdig: „Wir müssen weg von dem Prinzip, dass der Zweck die Mittel heilige. Wir brauchen wieder ein ordentliches Verfahren.“ Von der Sozialverwaltung heißt es, man arbeite an neuen Ausschreibungen.