Das Buch steht mit dem Umschlag nach vorn im Regal, ein leerer Bahnsteig ist darauf gemalt und ein Mädchen mit einem großen Koffer. Es ist wohl gerade mit dem Zug angekommen, aber niemand ist da, um es abzuholen. „Die lange lange Reise“ heißt das Kinderbuch, Ahmad Al Hajali hat es noch nicht gelesen, aber er weiß, worum es geht: Ein Kind muss vor dem Krieg in ein anderes Land fliehen und sich dort allein durchschlagen, die Geschichte spielt im Zweiten Weltkrieg, in Estland und Schweden. Ahmad Al Hajali weiß auch, dass der Nachbar, der ihm das Buch zum Deutschlernen geschenkt hat, es bewusst ausgewählt hat: weil die Geschichte des Mädchens auch seine, Ahmads, Geschichte ist.

Vielleicht gibt es noch einen zweiten Grund, nämlich den, dass sich an den Menschen, die nun in dieser prächtigen alten Villa in Lichterfelde zusammenleben und von denen Ahmad Al Hajali einer ist, etwas zeigt: Schreckliches wiederholt sich zwar, immer noch werden Menschen zu Flüchtlingen gemacht. Aber es passiert auch Gutes zwischen den Menschen; und vielleicht ist es sogar aus dem Furchtbaren erwachsen.

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