Wenn Dilek Kolat auf ihre Verhandlungen zum Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz angesprochen wird, reagiert Berlins Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration schnippisch. „Schöner Versuch“, sagt die SPD-Politikerin bei solchen Gelegenheiten allenfalls. Und sonst gar nichts. Seit Montag ist der Druck auf Kolat, ein Ergebnis zu präsentieren, noch einmal gewachsen.

Denn Caritas und Diakonisches Werk, die Sozialverbände von katholischer und evangelischer Kirche, haben zum „zweiten Runden Tisch Flüchtlinge“ eingeladen. Das Wort Oranienplatz oder Camp kommt in der Einladung zwar gar nicht vor. Aber jedem ist klar, dass bis zur Sitzung des Runden Tisches am Mittwoch in einer Woche von Dilek Kolat Antworten auf folgende Frage erwartet werden: Welche Perspektive kann Berlin den teils auf Heime verteilten, teils auf dem Platz campierenden Flüchtlingen bieten?

Kolat war nach einem Streit in der schwarz-roten Koalition im Januar als Vermittlerin eingesetzt worden. Damals hatte die SPD eine Vorlage von Innensenator und CDU-Chef Frank Henkel abgelehnt, mit der er dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Zuständigkeit für den Oranienplatz entziehen und eine polizeiliche Räumung ermöglichen wollte. Wegen der Kälte waren schon im November 120 im Camp lebende Lampedusa-Flüchtlinge mit Hilfe auch von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) in einem provisorischen Caritas-Heim in Wedding und auch in Marienfelde untergebracht worden.

Mittlerweile soll es eine Liste von 400 bis 600 Einzelschicksalen geben, die Kolat zur Klärung vorliegt. Am 31. März läuft die Kältehilfe aus und auch die erteilte Sondererlaubnis für das Weddinger Heim, sagt Caritas-Sprecher Thomas Gleißner. Noch gebe es keine Signale, wie es weiter geht. Der zuständige Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD) hatte schon im November gewarnt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das Gebäude im März räumen lasse. Es muss bis dahin eine rechtliche oder politische Lösung geben.“

Zur ersten Sitzung des Runden Tisches im Dezember waren die drei Senatoren Kolat, Henkel und Czaja nicht gekommen. Jetzt sind sie wieder eingeladen. Zumindest Kolat hatte zwischendurch eine Beteiligung zugesagt. „Wir hoffen“, sagt die Sprecherin des Diakonischen Werkes, Lena Högemann, „sie hält sich dran.“