Der neue Koordinierungsstab des Berliner Senats für die Flüchtlingspolitik hat erste Arbeitsaufträge verteilt. Dabei ging es vor allem um die Beschaffung neuer Unterbringungsplätze sowie eine Entlastung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), wo täglich zwischen 1000 bis 2000 Asylbewerber vorsprechen, sagte die Sprecherin der Sozialverwaltung, Regina Kneiding am Mittwoch.

Auch das große ehrenamtliche Engagement zahlreicher Berliner solle besser koordiniert werden. Der Einsatz des mobilen Registrierteams in der Notunterkunft Karlshorst, wo mittlerweile rund 500 Flüchtlinge untergebracht sind, verkürzte leicht die Warteschlangen vor dem LaGeSo.

Der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), kritisierte die nach wie vor kritischen hygienischen, medizinischen und humanitären Bedingungen vor der Einrichtung. Der Senat müsse mehr Toiletten, Waschmöglichkeiten, Decken und muttersprachliche Informationen bereitstellen.

Das LaGeSo in Moabit, das im Bezirk Mitte liegt, müsse auf jeden Fall Obdachlosigkeit für die Flüchtlinge vermeiden, mahnte Hanke den Senat. Kritik kommt auch von Ehrenamtlichen. Sie fordern mehr Unterstützung vom LaGeSo. Die Motivation schwinde und die Stimmung drohe zu kippen, berichtete die RBB-Abendschau.

Am Mittwoch warteten nach Schätzungen etwa 100 bis 200 Flüchtlinge weniger als in den vergangenen Tagen vor der Zentralen Anlaufstelle (ZAA), sagte Sprecherin Silvia Kostner. Wieder harrten jedoch Hunderte Asylbewerber bei Temperaturen um die 30 Grad vor der ZAA aus. Ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter verteilten erneut Wasser, aber auch Kekse, Obst und Brote.

Angst vor Abschiebung

Allein am Dienstag sprachen nach Angaben Kneidings 1850 Asylbewerber im LaGeSo vor, darunter 600 bereits Registrierte in der Leistungsstelle. Auch viele Flüchtlinge vom Vortag mit einer Nummer kamen erneut.
Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sagte dem rbb-Inforadio, in der ersten Sitzung des Krisenstabes sei mit Feuerwehr, Polizei und technischem Hilfswerk besprochen worden, wer künftig welche Aufgaben übernehmen solle.

In dieser Woche will Czaja eine engere Abstimmung mit den ehrenamtlichen Organisationen in der Flüchtlingshilfe schaffen. Dazu gebe es am kommenden Montag eine große Runde in der Sozialverwaltung, kündigte Kneiding an. Die Senatskanzlei schaltete eine Hotline (390 88 399), wo ehrenamtliche Helfer sich melden können.

Zudem sucht die Berliner Unterbringungsleitstelle im LaGeSo händeringend nach neuen Unterkünften für die Flüchtlinge. Das ehemalige Rathaus Wilmersdorf werde erst Ende August so weit umgebaut sein, dass erste Flüchtlinge einziehen könnten, sagte Czaja.

Probleme hatte die Behörde in Moabit am Dienstagabend, den noch nicht registrierten Flüchtlingen ihre Hilfsangebote zu vermitteln, sagte Kostner. Dutzende Flüchtlinge weigerten sich zunächst, in bereitstehende Busse zu steigen, die sie in die Notunterkunft Karlshorst fahren sollten. „Die Leute glauben uns nicht, dass wir sie in eine Unterkunft bringen“, schilderte Kostner. Sie fürchteten, dass sie in den Abschiebegewahrsam gebracht und abgeschoben werden sollten. „Offenbar haben die Menschen so schlechte Erfahrungen auf der Flucht und in ihren Heimatländern gemacht, dass sie nicht glauben, dass Behörden ihnen etwas Gutes tun wollen“, sagte die Sprecherin.

Auch für Mittwochabend habe das LaGeSo wieder drei Busse geordert. Sie soll neue Asylbewerber nach Karlshorst und in das Erstaufnahmeheim Waldschluchtpfad in Spandau bringen, so Kostner. (dpa)