Eine Unterstützergruppe für Flüchtlinge ist in der Nacht zu Donnerstag in ein leerstehendes Gebäude in der Englischen Straße in Charlottenburg eingedrungen. Die Initiative wollte damit auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen – und eine Unterkunft für 50 Menschen schaffen. Dafür planten die Besetzer, einen Zwischennutzungsvertrag mit dem Eigentümer, dem irischen Immobilienunternehmen Cannon Kirk Group, auszuhandeln.

Die Polizei ließ die Aktivisten zunächst gewähren. Nachdem die Einsatzleitung den Eigentümer kontaktiert hatte, stellte dieser jedoch Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs. Die Polizei räumte daraufhin das Haus und nahm sechs Besetzer vorübergehend fest. Im Anschluss organisierten Aktivisten eine spontane Demonstration mit circa 100 Teilnehmern.

Rechtzeitige Umrüstung würde Zelte überflüssig machen

„Leere Gebäude wie dieses gibt es noch zig in Berlin. Wenn man die rechtzeitig umrüsten würde, bräuchte man keine Turnhallen oder Zelte“, erklärte der Aktivist Dirk Stegemann die Beweggründe der Besetzungsaktion. Unterstützung fanden sie auch bei Joachim Wagner, SPD-Bezirksverordneter in Mitte, der sich selbst ein Bild vor Ort machte: „Das ist ein wichtiges öffentliches Zeichen. Es ist ein Skandal, was derzeit am Lageso passiert“, kritisierte er das für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales.

Das Gebäude in der Englischen Straße 20 liegt direkt an der Spree und in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Tiergarten. Der ehemalige Gebäude der Technischen Universität wurde vor einigen Jahren an den Investor Cannon Kirk Group, eines der größten irischen Immobilienunternehmen, verkauft und steht seitdem leer. Der Investor will dort angeblich bis 2016 ein neues Wohnquartier mit dem Namen „Englische Gärten“ errichten. Davon ist bisher nichts zu sehen.