Berlin - Die Berliner Landesregierung geht im Streit um temporäre Bauten für Flüchtlinge auf dem Tempelhofer Feld auf die Bürger zu, die Kritik an den Plänen geübt haben. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) sagte der Berliner Zeitung, die befristete Errichtung von Flüchtlingsunterkünften auf Neuköllner Seite an der Oderstraße komme „doch nicht mehr in Frage“. Die Flächen dort würden bereits jetzt stark genutzt.

Bauten am Tempelhofer Damm „nicht mehr prioritär“

Auch die für Flüchtlingsunterkünfte zunächst ins Auge gefassten Areale entlang des Tempelhofer Damms würden „nicht mehr prioritär“ als mögliche Standorte verfolgt. „Im Moment konzentrieren wir uns sehr stark auf die Ränder des Vorfeldes“, sagte Geisel – aber nicht auf das Vorfeld selbst. Die Flächen, die nun in Betracht gezogen werden, liegen rechts und links neben dem Flughafengebäude. Sie sind bereits befestigt und sollen besser erschlossen sein als die anderen Areale. Sie seien deswegen für die temporären Bauten eher geeignet. „Wir wollen eine vernünftige Lösung haben, wir gehen nicht mit dem Kopf durch die Wand“, sagte Geisel. In Gesprächen mit den Bürgern solle jetzt eine Lösung gefunden werden.

Flüchtlingsdorf auf dem Vorfeld des Flughafengebäudes

Wie berichtet, hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen Entwurf zur Änderung des Tempelhof-Gesetzes ins Abgeordnetenhaus eingebracht. Er sieht vor, dass an verschiedenen Standorten befristet Unterkünfte für Flüchtlinge errichtet werden können – etwa am Tempelhofer Damm und an der Oderstraße. Das Tempelhof-Gesetz verbietet jegliche Bebauung. Bürgervertreter wollen lieber ein Flüchtlingsdorf auf dem Vorfeld des Flughafengebäudes errichten. Diese Fläche liegt außerhalb des Geltungsbereichs des Gesetzes. Eine Gesetzesänderung würde danach überflüssig.

Blumenhalle soll als Schule genutzt werden

Stadtentwicklungssenator Geisel hält eine Nutzung des Vorfeldes für weitere Flüchtlingsunterkünfte aber bisher nicht für möglich. Denn dort müssen seinen Angaben zufolge Logistikeinrichtungen zur Versorgung der Flüchtlinge errichtet werden, die in den Hangars leben. Bisher wurden laut Sozialverwaltung 2160 Menschen in drei Hangars einquartiert. Vorgesehen ist aber, alle sieben Hangars mit Flüchtlingen zu belegen. Dann würden dort gut 5000 Menschen leben.

Geisel sagte am Freitag, die eigentlich für die Internationale Gartenausstellung (IGA) in Marzahn erworbene Blumenhalle solle jetzt wahrscheinlich auf dem Vorfeld des Flughafens errichtet werden. Sie soll als Schule und für die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge genutzt werden. Nach letzten Plänen sollte sie am Tempelhofer Damm stehen und Flüchtlinge beherbergen. Als weitere Unterkunft sei noch eine zweite Halle bestellt worden, so Geisel. Wahrscheinlich werde sogar noch eine dritte Bestellung nötig – weil Berlin ja auch eine Blumenhalle für die IGA 2017 brauche.