Flüchtlinge in Berlin: Sozialsenator Mario Czaja: Tempelhofer Feld wird nicht bebaut

Wolldecken und Winterjacken sind zum Schlafen nicht notwendig. Es ist warm in Hangar 3 des Flughafens Tempelhof. Ansonsten ist und bleibt das jüngste Berliner Notquartier für Flüchtlinge natürlich auch nach dem provisorischen Einbau von mehr als 60 kleinen Schlafzimmern, was es vorher war: eine Flugzeuggarage. Die Halle hat einen Betonboden, grüne Stahlträger reichen in schwindelerregende Höhen, und wenn die Außentemperatur unter 5 Grad Celsius fällt, müssen zusätzliche Heizaggregate her. Aber die Menschen sollen ja dort auch nur ein bis zwei Wochen bleiben, bevor sie in ein richtiges Wohnheim umziehen. So jedenfalls die Theorie.

Platz ist für 840 Menschen

Seit Sonntag wohnen die ersten Flüchtlinge – vor allem Syrer, Afghanen und Pakistaner– in dieser Halle. Platz ist für 840 Menschen. Einziehen sollen alleinreisende Männer. Auch dies ist allerdings bisher nur ein Plan, wie es wirklich wird, muss sich erst noch zeigen. Ein erster Hangar ist bereits mit Familien belegt, mit 660 Männern, Frauen und Kindern. Ein dritter wird gerade vorbereitet, sodass der Flughafen Tempelhof mit 2300 Menschen in diesen Tagen zu Berlins vorerst größter Flüchtlingsunterkunft wird.

Am Montag ist der verantwortliche Sozialsenator Mario Czaja (CDU) zu Besuch, um sich die Sache anzusehen. „Gemessen an den Rahmenbedingungen hat man hier doch relativ viel Privatsphäre“, sagt Czaja, während er eines der Zimmer besichtigt. Kunststoffwände trennen die einzelnen Räume. Bis zu zwölf Betten stehen in jedem Zimmer, immer zwei übereinander. Errichtet wurde das Ganze mit einem Messebausystem. Dieses Raum-in-Raum-Konzept für Flüchtlinge habe sich bereits bewährt – auf dem Messegelände und in einer Traglufthalle, sagt Czaja. Gebraucht würden die Zimmer auch noch im kommenden Jahr.

Hausherr in Hangar 3 ist derzeit Michael Elias, Geschäftsführer der Dienstleistungsgesellschaft Tamaja, die die Unterkunft in den Hallen betreibt. Er stellt sich bereits auf einen längeren Zeitraum in Tempelhof ein und auch auf eine längere Verweildauer der einzelnen Menschen. „Wir werden mit unseren Gästen sicherlich noch gemeinsam Weihnachten feiern, es ist eher die Frage, ob es mehr als einmal sein wird“, sagt er. Aber dann kann er am weiteren Rundgang nicht mehr teilnehmen, weil er sich um neue Gäste kümmern muss: 500 bis 600 Neuzugänge werden es an diesem Tag wohl noch werden.

Seit dem 5. September 28 Notunterkünfte

Mario Czaja nutzt derweil die Gelegenheit, um einiges klarzustellen: Nein, das Tempelhofer Feld werde nicht bebaut, sagt er. Das sei nach dem Bürgerentscheid schon gesetzlich gar nicht möglich. Bei etwa 600 neuen Flüchtlingen täglich müsse Berlin aber ständig neue Kapazitäten schaffen. Seit dem 5. September seien 28 Notunterkünfte eröffnet worden. „Ein Ende des Zustroms ist nicht absehbar“, sagt der Sozialsenator. Er will deshalb in Zukunft auch Flüchtlinge aus der Hauptstadt im Nachbarland unterbringen. „Wir werden zu Lösungen mit Brandenburg kommen müssen“, so Czaja.

Dann trifft der Senator in der noch weitgehend menschenleeren Halle auf zwei Männer aus dem Iran, die am Sonntag eingezogen sind. Babak Nasari (21) und Kourosch Shariati (35) sagen, sie seien viele Tage unterwegs gewesen und sehr müde. Mario Czaja schüttelt den beiden die Hand. Und so ergibt sich, während eine Journalistin persisch dolmetscht, improvisiert auch noch ein menschlicher Moment.