Fast jeder in Deutschland besitzt ein Konto. Was für viele wie selbstverständlich zum Leben dazugehört, ist unter Flüchtlingen eine Seltenheit. Viele von ihnen können deshalb weder Lohn erhalten noch Geld überweisen. Eine rasche Integration in den Arbeitsmarkt ist so kaum möglich.

Aus diesem Grund hat die Sparkasse Berlin nun in zwei Filialen mit einem speziellen Kundenservice für Flüchtlinge eingerichtet. Je vier Mitarbeiter in Lichtenberg und Wilmersdorf sind seit Montag ausschließlich für die Kontoeröffnung von Flüchtlingen zuständig. Das größte Problem für alle Banken ist die Sprachbarriere.

Die Konten sind nicht gebührenfrei

Kaum ein Flüchtling spricht Deutsch. Die Eröffnung eines Kontos ist so kaum möglich. Zur Lösung des Problems setzt die Sparkasse in ihren Filialen auf Englisch sprechende Übersetzer. Auch Personal mit Arabisch-Kenntnissen soll bald eingesetzt werden, wird aber derzeit noch gesucht. Die Volksbanken bieten dagegen Informationsblätter in sechs verschiedenen Sprachen an. Darin steht alles, was ein Kunde in einem Beratungsgespräch erfahren würde.

Flüchtlinge erhalten ein normales Giro-Konto, häufig Basiskonto genannt. Mit diesem sind Überweisungen genauso möglich wie Kartenzahlungen. Allerdings können die Flüchtlinge ihr Konto nicht wie andere Kunden überziehen. Kostenlos ist das Ganze auch nicht: Die Kontogebühren müssen sie wie jeder andere zahlen.

Der normale Kundenservice in den zwei Berliner Sparkassen-Filialen ist für den für die Flüchtlinge räumlich getrennt. Viele Asylbewerber kämen ohne Termin, dadurch würden sich teilweise lange Schlangen bilden. Dies soll sich nicht negativ auf die anderen Kunden auswirken. Außerdem bräuchte man mehr Ruhe und Zeit für die Gespräche mit den Flüchtlingen, sagt Sparkassen-Sprecherin Constanze Stempel.

Neben den sprachlichen Schwierigkeiten sind die oft fehlenden Ausweispapiere ein Hindernis auf dem Weg zum eigenen Konto. Auf der Flucht gehen sie häufig verloren oder werden mit Absicht vernichtet. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin), hat dazu vor gut einem Monat eine Übergangsregelung beschlossen. Seitdem reichen Identitätsnachweisende Dokumente der Ausländerbehörde.

Keine Lösung für alle Banken

Doch damit ist das Problem nicht für alle Banken gelöst. Während regional gegliederte Geldhäuser wie Sparkassen und Volksbanken nur den deutschen Aufsichtsbehörden Rechenschaft schuldig sind, müssen Großbanken auch internationale Richtlinien befolgen, so Julia Topar, Sprecherin des Bankenverbandes. Eine Übergangsregelung der Bafin sei kein geltendes Recht für das Ausland. Für den Fall zum Beispiel, dass durch die lockere Regelung Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung ermöglicht würde, können sich die Großbanken gegenüber ausländischen Aufsichtsbehörden nicht auf die Übergangsregelung beziehen.

Ob dieses Problem zu weniger Kontoeröffnungen bei Großbanken führt, ist unklar. Offenbar tun sich diese Geldinstitute aber schwer mit Flüchtlingen. Weder die Deutsche Bank, noch die Commerzbank und die Hypovereinsbank wollten auf Anfrage Angaben über die Zahl der Kontoeröffnungen machen. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagt, dass in jedem Fall neu entschieden wird. Die Hypovereinsbank sagt, sie setze die Übergangsregelung der Bafin um.

Nach eigenen Angaben hat die Sparkasse Berlin in diesem Jahr für rund 5000 Flüchtlingen ein Konto eröffnet. Die Filialen in Wilmersdorf und Lichtenberg warten noch auf solch einen Ansturm: Am Montag eröffneten zwei Flüchtlinge dort ein Konto, am Dienstag waren es elf.