Flüchtlinge in Berlin: Sportforum wird Flüchtlingsheim

Bei seiner Suche nach Notunterkünften für Flüchtlinge muss der Berliner Senat zunehmend in den Alltag der Bevölkerung eingreifen. Während Asylsuchende bisher vor allem in leer stehenden Bürogebäuden oder einer ersten Zeltstadt untergebracht wurden, werden nun auch stark genutzte Sportanlagen belegt.

Rund 470 Flüchtlinge, die am Donnerstag mit einem Sonderzug der Deutschen Bahn aus München in Berlin ankamen, wurden in das Horst-Korber-Sportzentrum am Olympiastadion gebracht. In zwei Sporthallen auf dem Gelände, die sonst vor allem Leichtathleten und Hockeyspieler nutzen, sollen rund 1000 Asylsuchende eine vorläufige Bleibe finden.

Nach Informationen der Berliner Zeitung ist zudem das Sportforum in Hohenschönhausen als Notunterkunft vorgesehen. Das Forum ist die zweitgrößte Sportanlage Berlins, Zentrum des Schul- und Leistungssports und Olympiastützpunkt. Täglich trainieren dort Tausende Sportler. Auch das Velodrom in Prenzlauer Berg ist im Gespräch. Dort finden das Sechstagerennen und Kulturevents statt, demnächst etwa eine Show von Carmen Nebel und ein Konzert von Take That.

Infrastruktur, Kinderbetreuung, Arbeitsmarkt nicht aus den Augen verlieren

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi hofft auf das Verständnis der Bevölkerung für derartige Belastungen durch die große Zahl von Flüchtlingen. „Natürlich wird es für eine Übergangsphase gewisse Einschränkungen geben“, sagte sie im Interview der Berliner Zeitung (Freitag): „Das sollten wir auch klar sagen.“ Wichtig sei, dass die Politik die Aufnahme der Asylsuchenden bewältige, ohne aus den Augen zu verlieren, „dass wir in unserem Land massiv in Infrastruktur investieren, die Kinderbetreuung verbessern und den Arbeitsmarkt weiter auf Vordermann bringen müssen“.

Im Streit zwischen Bund und Ländern über die Übernahme der Kosten forderte Fahimi ein stärkeres Engagement des Bundes. Die vom Koalitionsausschuss beschlossene Drei-Milliarden-Hilfe gehe von 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr aus: „Wenn es mehr werden, muss es auch mehr Geld geben.“

Kanzlerin Angela Merkel sieht keine Notwendigkeit, die Zahl der Kriegsflüchtlinge in Deutschland zu begrenzen. „Das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte kennt keine Obergrenze“, sagt sie der Rheinischen Post. Das gelte auch für Flüchtlinge, die „aus der Hölle eines Bürgerkrieges zu uns kommen“.