Wegen der weiter steigenden Zahl von Asylbewerbern werden nun Turnhallen in allen Berliner Bezirken darauf geprüft, ob sie zur Unterbringung von Flüchtlingen taugen. Am Wochenende soll bereits die Zentrale Sporthalle der Freien Universität für 200 Flüchtlinge öffnen, die üblichen Sportkurse dort wurden bis zum Semesterende abgesagt. „Bis zum Jahresende wird die Zahl der Asylsuchenden nochmals enorm ansteigen“, sagte Sozialsenator Mario Czaja, CDU, der Berliner Zeitung. „Alle Menschen müssen umgehend untergebracht werden.“

Nach Informationen der Berliner Zeitung hat die Sozialverwaltung alle Bezirke aufgefordert, jeweils eine Turnhalle als Notunterkunft zu benennen, in der kurzfristig Asylbewerber untergebracht werden könnten – auch über die Weihnachtstage. Oliver Igel (SPD), der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, bot bereits am Donnerstagabend öffentlich die Sporthalle an der Merlitzstraße in Adlershof an. Doch weil dort bereits wichtige Sportveranstaltungen geplant sind, wird nun offenbar doch eine andere Halle favorisiert.

Regina Kneiding, Sprecherin der Senatssozialverwaltung, betonte am Freitag, dass keine Turnhallen ausgewählt werden sollen, die für den Schulsport benötigt werden. Auch wenn jetzt erst einmal die Weihnachtsferien begonnen haben. Dem pflichtete Bildungssenatorin Sandra Scheeres, SPD, bei. „Wir raten auch dringend davon ab, dass auf Hallen zurückgegriffen wird, die für den Schulsport genutzt werden“, sagte sie der Berliner Zeitung. Das sei auch die Position der Schulstadträte.

Einige Sportvereine aber dürften nun ohne Halle bleiben. „Das darf keine Dauerlösung werden“, warnte Heiner Brandi, Geschäftsführer des Landessportbundes. Er zeigte aber Verständnis für die Entscheidung.

Nutzung des Tempelhofer Felds nicht möglich

Die Mitarbeiter des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) prüfen in aller Eile, wo sich nicht ausgelastete Hallen befinden könnten. Viele Alternativen gibt es nicht mehr: Eine Nutzung des Tempelhofer Feldes, etwa durch die Installation einer Traglufthalle, wurde als nicht zulässig verworfen.

45 Prozent der 5000 Asylsuchenden, die sich derzeit pro Woche in Berlin melden, stammen laut Lageso aus Serbien, Bosnien oder Mazedonien. Diese Staaten gelten ab Januar als sichere Herkunftsländer. Jetzt wollen offenbar noch viele Menschen von dort die Chance nutzen, Asyl zu beantragen.

Eine Zweidrittelmehrheit der Deutschen steht der Aufnahme von Flüchtlingen laut einer Umfrage positiv gegenüber. 39 Prozent halten die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge für angemessen, wie der am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“ veröffentlichte Deutschlandtrend ergab. 28 Prozent würden noch mehr Flüchtlinge aufnehmen. 22 Prozent meinen, es würden zu viele aufgenommen.