Der Protest gegen die Räumung des Flüchtlingscamps am Oranienplatz hielt am Donnerstag an. Mehrere Flüchtlinge und deren Unterstützer sind in den Hungerstreik getreten. Sie ließen sich auf der Nordseite des Platzes nieder und meldeten eine Mahnwache an, um sich mit einer protestierenden Sudanesin solidarisch zu zeigen. Am Donnerstagabend, gegen 21 Uhr, waren laut Polizei etwa 120 Demonstranten auf dem Oranienplatz versammelt. Zwischenfälle gab es keine. Immer wieder tauchen Unterstützer auf, die sich laut Polizei als Mahnwache verstehen. Für Freitagabend (18.00 Uhr) haben Unterstützer der Flüchtlinge eine Demonstration vor dem Wohnhaus von Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) angekündigt.

Napuli L. aus dem Sudan harrte zu diesem Zeitpunkt noch auf einem Baum aus, um den herum bis vergangenen Dienstag die Hütten und Zelte des Protestcamps gruppiert waren. Die Frau ist eine Mitbegründerin des Camps. Als am Dienstag geräumt wurde, kletterte sie zusammen mit vier Männern auf die alte Platane, um gegen die Asylpolitik zu protestieren. Ihre Mitstreiter gaben später auf.

Tumult in der U-Bahn

Die Baumbesetzerin ist für die Polizisten eine alte Bekannte. Im Januar biss sie am U-Bahnhof Hermannplatz einen Kontrolleur und einen Polizisten, als sie und andere Flüchtlinge ohne gültige Fahrscheine erwischt worden waren und es zum Tumult kam. Nach ihrer Festnahme warf Napuli L. der Polizei vor, dass Beamte sie misshandelt und rassistisch beleidigt hätten. Das danach eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen die Beamten ist nach Angaben eines Polizeisprechers noch nicht abgeschlossen.

Am Donnerstag fürchteten die Polizisten, dass Napuli L. wegen Entkräftung von der Platane stürzen könnte. Deshalb legten sie unter dem Baum Sportmatten aus, die aus einer Turnhalle herbeigeschafft worden waren. Die Polizei gestattete aber anfangs nicht, dass die Baumbesetzer mit Essen und Trinken versorgt wurden. Ein Sanitäter durfte jedoch am Donnerstag mit der Frau sprechen; ihr Gesundheitszustand war bis zum Nachmittag stabil. Am Abend teilte die Polizei mit, die Baumbesetzerin habe von Sicherheitskräften des Bezirks ein Verpflegungspaket erhalten. Es sei nicht bekannt, ob sie etwas gegessen habe. Die Lage auf dem Platz, wo sich etwa 120 Demonstranten versammelt hatten, bezeichnete eine Polizeisprecherin als friedlich.

Zahlreiche Polizisten achteten am Donnerstag darauf, dass an der Mahnwache kein Zelt errichtet wurde. Dies hatte das Bezirksamt ausdrücklich untersagt.

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