Flüchtlinge in Spandau: Nach langer Odyssee endlich am Ziel angekommen

Fünf Jahre war Ismail Mohamed unterwegs. Fünf Jahre voller Hoffen und Bangen, mit vielen Nebenjobs, um die Schlepper zu bezahlen. Voller Angst auch, sein Ziel nicht zu erreichen. In der Nacht zum Sonntag war die lange Reise des Somalis, der vor dem Krieg im eigenen Land floh, endlich vorbei. Da kam er auf dem Gelände der ehemaligen Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Berlin-Spandau an. Eine Nacht durfte er in den ehemaligen Truppenunterkünften verbringen. Danach musste er in eines der Zelte umziehen. Laut Matthias Nowak, Pressesprecher der Malteser, sind die Zimmer in den Gebäuden vor allem für Frauen und Familien reserviert. In den mehr als 70 Zelten auf dem Innenhof des Geländes seien dagegen nur Männer untergebracht.

Dieser Inhalt ist nicht mehr verfügbar.

386 Asylbewerber sind in der Nacht zum Montag direkt aus München in Berlin-Spandau angekommen. Einige waren so erschöpft, dass man sie medizinisch versorgen musste, sagte Nowak. Laut einer Sprecherin der Sozialverwaltung sollten noch weitere 310 Flüchtlinge – vor allem Familien – am Montagnachmittag in Bussen aus dem brandenburgischen Eisenhüttenstadt eintreffen. Damit sind die 700 Plätze in den Zelten so gut wie gefüllt.

Entspannte Atmosphäre

Zehn Menschen teilen sich eine solche Unterkunft. Oft sind sie sich fremd, zudem kommen sie aus vielen grundverschiedenen Ländern wie Gambia, Pakistan, Somalia, vor allem Syrien. Nichtsdestotrotz ist die Atmosphäre entspannt. Noch vor wenigen Tagen mussten die meisten hier noch im oder vor dem Hauptbahnhof von Budapest schlafen. „Zu viele Menschen“, erinnert sich Mohamed.

Tagsüber wurde sie von der ungarischen Polizei aus dem Bahnhofsgebäude gescheucht, erst nachts durften sie wieder rein. In Spandau ist die Polizei dagegen zum Schutz der Bewohner angerückt. Ein halbes Dutzend Busse mit Beamten steht vor Ort. Dazwischen schlendern die Geflüchteten gelassen zur Essen- oder Kleiderausgabe. Alle warten geduldig in der Schlange. Keiner muss Angst haben, zu kurz zu kommen. Zwischen ihnen wuseln immer wieder Sicherheitsleute, medizinisches Personal und Aufbauhelfer herum. Ab und zu kommen auch Leute aus der Umgebung auf das Gelände und verteilen Süßigkeiten an Kinder. Weitere Sachspenden würden aber nicht mehr angenommen, sagte ein Sprecher des Betreibers Prisod. Vor den Toren müssen die Sicherheitsleute immer wieder Menschen vertrösten, die Kleidung vorbei bringen wollen. Die Lager seien bis zum Bersten gefüllt.

Die breiten Gittertore zum Gelände sind bunt mit Ballons und Girlanden geschmückt. Etwa 40 Menschen von verschiedenen Unterstützer-Initiativen hatten bis nach Mitternacht durchgehalten, um die ankommenden Menschen zu begrüßen. Um 3.00 Uhr, als die ersten beiden Busse mit jeweils 50 Flüchtlingen eintrafen, harrten noch 20 Wartende aus. Eigentlich waren die Flüchtlinge schon für den Sonntagvormittag angekündigt gewesen.

Müde und erschöpft

Auch am Tag zeigen sich ab und zu Anwohner auf dem Gelände, um die Neuankömmlige zu begrüßen. Die Tore zur Einrichtung stehen weit offen. Jeder darf rein. Nur zu aufdringliche Journalisten werden vom Sicherheitspersonal kritisch beäugt. Immer wieder werden Aufnahmen erst verboten, dann wieder erlaubt. Am Ende müssen am Nachmittag alle Medienvertreter das Gelände verlassen.

Wen wundert es, die Flüchtlinge brauchen Ruhe. „Ich bin müde, so müde“, sagt Ismail Mohamed in gebrochenen Englisch. Aber er sei so froh, endlich hier zu sein. Das trifft auf fast alle hier zu. Nicht alle brauchten für ihre Flucht-Odyssee fünf Jahre. Viele „nur“ einige Wochen oder Monate. Kaum einer der Asylbewerber spricht Englisch, geschweige denn Deutsch. Doch „Thank you, Germany“ hört man immer wieder, wenn man mit einem der Flüchtlinge redet. Dazu meist ein erschöpftes Lächeln.