Der Dampf ist jetzt wohl erstmal raus. In den vergangenen Wochen hatten aufgebrachte Anwohner des Charlottenburger Westends gegen eine geplante Unterkunft für 250 Flüchtlinge in ihrem Kiez protestiert. Nachbarn sammelten Unterschriften gegen die Einrichtung in der Soorstraße.

Sie wollen keine Menschen aus Bürgerkriegsgebieten oder armen Regionen in ihrer Nähe und schon gar nicht so viele. Vieles, was vorgebracht wurde, war unverbrämt rassistisch. Als ob Menschen aus Syrien, Afghanistan oder anderen Gegenden der Welt automatisch zu Diebstahl, Lärm oder Dreck neigen würden.

Deshalb war es eine gute Idee, in dieser Situation einen Runden Tisch zu veranstalten. Die Veranstaltung am Mittwochabend war gleich in zweierlei Hinsicht ein Erfolg. Zum einen hat sich gezeigt, dass der Anteil derjenigen, die sich vor Flüchtlingen fürchten, kleiner ist als gedacht. Zu Wort meldeten sich nun nämlich auch andere.

Menschen boten sogar konkrete Hilfe an, wollen Sprachkurse geben oder Kinder betreuen. Zum anderen ist so ein Runder Tisch auch ein Ventil für Ängste. Manchmal erscheint die Bedrohung eben nicht mehr ganz so groß, wenn sie einmal ausgesprochen wurde. Oft steht ja doch nur ein Gefühl dahinter, Veränderungen ohnmächtig gegenüber zu stehen und von Behörden und Politikern nicht gehört zu werden.

Damit soll es nun aber auch an dieser Stelle genug sein mit einem Plädoyer für Runde Tische. Bei allem Verständnis für Ängste in der Bevölkerung sollte man nicht vergessen, worum es hier geht. Menschen kommen zu uns, weil sie in ihren Heimatländern verfolgt, gequält, unterdrückt werden. Sie kommen nicht freiwillig, sie fliehen, oft nachdem sie bereits Torturen durchgestanden haben.

Wir sollten sie freundlich empfangen und ihnen helfen, so lange sie hier sind. Das ist nicht immer bequem. Sicherlich. Aber es ist auch anmaßend, bestimmen zu wollen, wer in der Nachbarschaft wohnt.