Berlin - In Berlin sind derzeit nach Informationen der RBB-„Abendschau“ rund 100 sogenannte Kinderehen registriert, bei denen ein Partner - in der Regel die Frau - minderjährig ist. Diese Frauen würden von den Jugendämtern betreut, hieß es in dem am Dienstag ausgestrahlten Beitrag.

Das Problem hat den Informationen zufolge vor allem mit dem Zuzug von Flüchtlingen Deutschland und damit auch die Bundeshauptstadt erreicht. Teilweise werden laut RBB in den Herkunftsländern schon zwölfjährige Mädchen mit älteren Männern verheiratet.

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) forderte ein strengeres Gesetz gegen Kinderehen, gleichzeitig aber auch mehr Spielraum für Gerichte, um in begründeten Fällen Ausnahmen zuzulassen. Mit dem Zuzug weiterer Flüchtlinge werde sich das Problem noch verschärfen.

Regierung diskutiert Anhebung des Mindestheiratsalters

In Deutschland dürfen Ehen grundsätzlich erst mit der Volljährigkeit geschlossen werden - nur in Ausnahmefällen schon mit 16 Jahren. Das Oberlandesgericht Bamberg hatte im Mai aber die Ehe einer Syrerin, die im Alter von 14 Jahren mit einem Cousin verheiratet worden war, als wirksam anerkannt. Ehen Jugendlicher werden dem RBB-Bericht zufolge in Berlin generell nicht anerkannt.

Als mögliche Maßnahme gegen Kinderehen wird laut RBB in den Bundesministerien die Anhebung des Heiratsalters im deutschen Recht auf 18 Jahre diskutiert. Damit solle es möglich werden, Kinderehen für unwirksam zu erklären, die nach ausländischem oder Scharia-Recht geschlossen wurden. (dpa)