Die Initiative Haus der Statistik hat bekräftigt, dass ein geplantes Zentrum für Flüchtlinge und Künstler in dem leerstehenden Gebäude am Alexanderplatz in Mitte realisiert werden kann. „Wir haben ein Bauunternehmen, das kurzfristig 100 Bauleute schicken kann, um das Haus in acht Monaten herzurichten“, sagte Florian Schöttle vom Martinswerk. Es gebe zudem eine Bank, die das etwa 50 Millionen Euro teure Projekt finanzieren würde.

Das Konzept der Initiative für das Haus ist 32 Seiten lang, es wurde seit dem Herbst erarbeitet. Künstler, Stadtplaner und Architekten um Berlins Atelierbeauftragten Florian Schmidt und Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) sind daran beteiligt. Auch die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser, das Zentrum für Kunst und Urbanistik, das Martinswerk, die Stiftung Zukunft Berlin und die Belius Stiftung gehören dazu.

Ihr Ziel: Das Haus der Statistik, das derzeit dem Bund gehört, soll nicht wie geplant abgerissen, sondern zu einem Wohn- und Arbeitsort für Flüchtlinge und Berliner Künstler umgebaut werden. Auch Bildungs- und Integrationsprojekte sollen dort Platz haben.

„Wir haben jetzt die einmalige Chance, wichtige Nutzungen für geflüchtete Menschen und sozialen Wohnungsbau hier zu realisieren und gleichzeitig mit Experimentierräumen für Künstler zu kombinieren“, sagte Hanke. Das Haus könne am Alexanderplatz zu einer „gentrifizierungsfesten Insel werden“.

Geplant ist, in dem bis zu 12 Geschosse hohen Komplex an der Otto-Braun-Straße für etwa 1000 Geflüchtete Unterkünfte in Wohngemeinschaften, Apartments aber auch Familienwohnungen einzurichten. Auch 250 Künstlerräume und Ateliers sollen in einem Hochhaus an der Karl-Marx-Allee entstehen. Um den Komplex umzubauen, rechnet die Initiative mit Kosten von etwa 1000 Euro pro Quadratmeter für die Wohnungen sowie 500 Euro für die Ateliers.

Auch bis zu 1000 neue Wohnungen könnten ab 2020 auf dem Areal entstehen, wenn zwei Flachbauten abgerissen werden, sagte Andrea Hoffmann vom Raumlabor Berlin. Das Konzept wird nach Angaben der Initiative außer vom Bezirk Mitte auch von Kulturstaatssekretär Tim Renner sowie der Berliner Architektenkammer unterstützt.

Realisierung wird getestet

Ob dieses Konzept für das Haus der Statistik, das seit dem Auszug des Statistischen Bundesamtes und der Stasi-Unterlagen-Behörde im Jahr 2008 leer steht, auch umgesetzt werden kann, ist jedoch offen. Derzeit verhandelt das Land mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über einen Ankauf der Gebäude. „Wir testen die Realisierbarkeit der Sanierung“, sagte Christian Breitkreutz, der Sprecher der Berliner Immobilienmanagement (BIM), auf Anfrage.

Es gebe Überlegungen, die Bestandsgebäude zu erwerben und sie für eine landeseigene Nutzung herzurichten. Bevorzugt werde die Lösung der Sanierung der drei Hauptgebäude. Für die Nutzung prüft die BIM mehrere Optionen. Eine ist, den Komplex für Berliner Behörden etwa das Bezirksamt Mitte oder das Finanzamt Mitte herzurichten. Eine andere Variante ist, das Gelände an die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) zu übertragen, die bestehenden Gebäude abzureißen und die dort seit fünf Jahren geplanten Wohn- und Geschäftshäuser zu errichten.