Es muss dem syrischen Mann und seiner Schwester vorgekommen sein wie ein schlechter Traum. Sie hatten ihr vom Bürgerkrieg geschütteltes Land verlassen und waren über Umwege nach Deutschland gekommen. In ein Land also, das zugesagt hat, 5000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Und trotzdem landeten dieser Mann und seine Schwester im Abschiebegewahrsam in Berlin-Köpenick. Denn die beiden waren nicht auf Vermittlung des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen gekommen. Das Geschwisterpaar hatte sich selbst durchgeschlagen und war über Bulgarien eingereist. Nach der aktuellen Rechtslage haben sie damit kein Recht, in Deutschland Asyl zu beantragen.

Furchtbar nennt der Jesuitenpater Ludger Hillebrand solche Fälle. „Der erste Kontakt mit Deutschland ist ein Gefängnis“, sagt Hillebrand. Hillebrand ist im Auftrag des Jesuitenflüchtlingsdienstes als Seelsorger im Abschiebegewahrsam tätig. Seit 1995 betreuen die Jesuiten in Deutschland Abschiebungsgefangene, Geduldete und Menschen ohne Papiere, beraten sie in Rechtsfragen und engagieren sich in der Härtefallkommission des Berliner Abgeordnetenhauses. Etwa 1000 Flüchtlinge betreuen die Jesuiten in Deutschland jedes Jahr. Am Mittwoch stellte der Flüchtlingsdienst aktuelle Fälle aus seiner Arbeit vor.

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