Von Mobbing, unterlassener Hilfeleistung und Einschüchterung von Flüchtlingen war die Rede: Der Verein „Hellersdorf hilft“ hatte am Wochenende erklärt, dass die Zustände in der Gemeinschaftsunterkunft in der Maxie-Wander-Straße unhaltbar seien. Er fordert daher, dass der Vertrag mit der Betreiberfirma Pewobe gekündigt wird. Fragt man Bewohner, so reden viele nicht gerne über dieses Thema. Oftmals fragen sie zurück: „Was soll ich sagen?“, winken ab und gehen weiter.

Mehr Kontrollen

Ein junger Mann aus Pakistan redet. Seit einem Jahr wohne er im Heim, erzählt er. Die Kontrollen hätten zugenommen, es sei früher nicht so rigide gewesen. Ein Mann aus Syrien kommt aus dem ehemaligen Schulgebäude. Auch er hat es eilig. „Das Einzige, was ich sagen kann: Vielen Dank für diese Unterkunft, ansonsten müssten wir auf der Straße leben. Aber: Ich glaube, es wäre besser, wenn die Security-Mitarbeiter Deutsche wären, und nicht aus arabischen Ländern und der Türkei kämen.“ Warum? Diese Frage beantwortet er nicht. Ein Flüchtling aus Moldawien sagt, er habe keine Probleme mit der Heimführung. Sie müsse eben manchmal härter durchgreifen, denn nicht alle würden das gleiche Verständnis von Sauberkeit haben. „Einige schmeißen den Dreck überall hin. Das geht nicht!“

Von Anwohnern heißt es zumeist: Nichts habe sich rund um die Unterkunft verändert. Man würde die Flüchtlinge natürlich auch im Kaufhaus treffen, aber Probleme gäbe es keine, man habe sich arrangiert. Eine Frau hingegen sagt, dass sie schon öfter von „südländisch aussehenden“ Männern angepfiffen und bedrängt worden sei, aus Angst habe sie ihre Route mit dem Hund geändert. Neben ihr seien zwei Flüchtlinge eingezogen, viel zu laut seien die, sie schlügen die Türen zu und trampelten bis in die Nacht herum.

Die Betreiberfirma Pewobe weist alle Vorwürfe und Anschuldigungen des Vereins „Hellersdorf hilft“ zurück. Sie „entsprechen nicht der Wahrheit“, erklärte sie am Montag. „Es gibt weder Fälle von unterlassener Hilfeleistung sowie Einschüchterung noch gehört Mobbing zu dem Konzept der Pewobe“, heißt es in einer Erklärung. Das hatte der Verein Pewobe vorgeworfen.

Die Leiterin der Gemeinschaftsunterkunft sei tatsächlich bis Ende 2009 Mitglied der DVU gewesen. Sie habe aber ihre Mitgliedschaft beendet, weil „sie sich von den Inhalten der Partei und sämtlichem rechtem Gedankengut distanziert hat“. Inzwischen sei die Heimleiterin „nicht politisch aktiv und auch kein Mitglied in einer politischen Partei“, erklärte ihr Anwalt. Und er fügte hinzu, seine Mandantin „steht für eine freie, demokratische und multikulturelle moderne Gesellschaft“.

Die Pewobe erklärte, die seit dem 1. Juni tätige Heimleitung habe auch keine Angebote für Flüchtlinge gestrichen. Auch das hatte „Hellersdorf hilft“ kritisiert. Aber: Weder seien Gemeinschaftsräume geschlossen noch die Kinderbetreuung gestrichen worden, sagt die Pewobe. Ein Hausverbot habe lediglich gegen einen Familienvater ausgesprochen werden müssen, weil der in eine Schlägerei auf dem Gelände der Unterkunft verwickelt gewesen sei. Das Verbot sei mit dem zuständigen Lageso abgesprochen gewesen. Auch treffe es nicht zu, dass der Opferschutz für geflüchtete Frauen untersagt worden sei. Vielmehr sei es so: Pewobe-Mitarbeiter hätten alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, aber die Betroffene habe die Aufnahme in ein Frauenhaus selbst abgelehnt.

Bezirk fordert Neuausschreibung

Aber nicht nur aus Sicht von „Hellersdorf hilft“, sondern auch aus der des Bezirks ist die „Pewobe kein geeigneter Betreiber“, sagte dagegen Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) der Berliner Zeitung. Zu dieser Ansicht sei man unabhängig von den Enthüllungen über das politische Engagement der Heimleitung in der Vergangenheit gelangt. „Wir bemühen uns weiter darum, dass der Vertrag mit der Pewobe gekündigt wird und das Lageso den Auftrag neu ausschreibt“, fügte er hinzu. Das Lageso sicherte am Montag eine Überprüfung zu. „Wir nehmen die Kritik sehr ernst und gehen den Vorwürfen umgehend nach“, hieß es auf Anfrage. Die Qualitätssicherung des Lageso sei beauftragt, „die Unterkunft aktuell erneut zu überprüfen“. Sollten dabei Mängel festgestellt werden, müsse sie der Betreiber unverzüglich abstellen. Gegebenenfalls seien vertragsrechtliche Konsequenzen zu prüfen, „bis hin zur Kündigung“.