Woran das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) auf seinem eigenen Gelände in Moabit gescheitert ist, das leisten seit August die Freiwilligen der Initiative „Moabit hilft“. Sie organisierten im Sommer die notdürftige Verpflegung Tausender Wartender, sie halten Kleidung bereit, helfen mit Übersetzungen und versorgen absurderweise zahlreiche Flüchtlinge aus der ganzen Stadt mit Hygieneartikeln, weil es in vielen Notunterkünften keine gibt. Doch jetzt geraten die Helfer offensichtlich an ihre Grenzen – organisatorisch, psychisch und im Umgang miteinander.

Michael Ruscheinsky ist der Mann, der den Helfern helfen soll. Der 35-jährige Schauspieler und Regisseur kam im Sommer selbst als Freiwilliger auf das Lageso-Gelände. Inzwischen hat er eine halbe Stelle bei der Caritas, die vom Senat finanziert wird. „Helferbetreuung“ lautet seine Aufgabenbeschreibung, er selbst übersetzt das so: „Ich bin eine laufende Infotafel.“

Orientierung geben

Die Beschreibung passt. Läuft man mit Ruscheinsky übers Lageso-Gelände, wird er alle paar Meter angesprochen von Helfern und Flüchtlingen. Wo ist die Rechtsberatung, wo ist die Kleiderkammer, wer kann erklären, wie man ein WG-Zimmer findet? Zwischendurch klingelt das Handy, nur das Funkgerät, das er am Gürtel trägt, bleibt still.

„Man verlässt sich hier auf eine Stütze, die vielleicht irgendwann bricht“, sagt Ruscheinsky. Noch arbeiteten rund hundert Menschen ehrenamtlich am Lageso, das Netzwerk ist längst auch für andere Initiativen einer der wichtigsten Ansprechpartner. Aber die Kraft lasse nach, sagt Ruscheinsky. „Heute Morgen haben sich wieder zwei verabschiedet und gesagt, sie können nicht mehr.“

Es ist die psychische Belastung und auch die Kälte, die an den Helfern nagt. Dazu aber kommt die immer noch schwierige Kooperation mit dem Lageso. An diesem Donnerstagvormittag stehen sie vor verschlossenen Türen – nicht zum ersten Mal. Eine Türkarte ist verloren gegangen. Der Wachdienst könnte zwar ohne Weiteres öffnen, doch es dauert bis zum frühen Nachmittag, ehe er das auch tut.

Konflikte im Verein

Zur Erschöpfung und dem Ärger mit der Behörde kommen nun auch noch interne Querelen. Nur anderthalb Monate nach seiner Gründung hat sich der Verein „Moabit hilft“, der die Freiwilligen unterstützen soll, bereits gespalten.

Auslöser war ein Streit über die Aufnahme neuer Mitglieder, aber in Gesprächen wird deutlich, dass die Ehrenamtlichen damit überfordert sind, neben der Bewältigung der Flüchtlingskrise auch noch sich selbst zu organisieren. So gab es Uneinigkeit über die Öffentlichkeitsarbeit, aber auch über die Verwendung der Spenden, die bis vor Kurzem auf ein Privatkonto flossen, weil es noch kein Vereinskonto gab.

5000 Euro pro Woche betragen die laufenden Kosten von „Moabit hilft“ nach Angaben der Vorsitzenden Diana Henniges. „900 Euro pro Woche geben wir alleine für Decken aus.“ Noch sei Geld da, doch das Spendenaufkommen sei rückläufig. Hält dieser Trend an, dürfte sich die Lage am Lageso bald wieder verschärfen.