Berlin - Die rot-rot-grüne Koalition in Berlin bleibt beim Bau modularer Unterkünfte für Flüchtlinge (MUF) weit hinter ihren eigenen Ansprüchen zurück. Von den geplanten modularen Unterkünften für Flüchtlinge ist noch nicht einmal die Hälfte fertig. Das sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Dienstag im Anschluss an die Sitzung des Senats.

Die Landesregierung hatte 2018 beschlossen, 53 dieser Gebäude aus vorproduzierten Betonmodulen mit rund 19.700 Plätzen zu errichten. Fertiggestellt wurden bisher aber nur 23 mit gut 8200 Plätzen, wie Breitenbach mitteilte. Weitere sieben seien im Bau, 18 in Planung. Wann die letzten davon bezogen werden können, ist noch nicht absehbar. Der Grund: Es mangelt an geeigneten Flächen.

Hinzu kommt, dass viele Menschen in den rund 80 Unterkünften des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) untergebracht seien, die dort längst nicht mehr wohnen sollten. Nach Breitenbachs Auskunft leben derzeit etwa 19.000 Menschen in den LAF-Unterkünften. Davon zähle die Hälfte zu den sogenannten Statusgewandelten, also Menschen, deren Asylantrag bereits anerkannt oder denen nach einer Ablehnung eine Duldung erteilt wurde. „Diese Menschen gelten als Wohnungslose und sind damit in der Verantwortung der Bezirke, die sie unterbringen müssen“, sagte Breitenbach. Jedoch sei es für die Bezirke außerordentlich schwierig, Wohnungen für sie zu finden.

Wohnungsmangel in Berlin verschärft die Situation

Das betrifft zum Beispiel auch Flüchtlinge, die als allein reisende Minderjährige in Berlin angekommen sind. Sobald sie volljährig sind, müssen sie die stationären Einrichtungen der Jugendhilfe verlassen, in denen sie sozialpädagogisch begleitet wurden. Findet sich dann keine Wohnung für sie, folgt vielfach der Umzug in eine landeseigene Gemeinschaftsunterkunft. Die Unterbringung gemeinsam mit Erwachsenen dort könne  eine Belastung darstellen, heißt es in einer Mitteilung des LAF. Im schlimmsten Fall komme es zum Abbruch von Schule oder Ausbildung.

Um bei diesem Übergang eine Unterstützung zu bieten, hat das LAF in zwei Unterkünften mit je 16 Plätzen in Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg ein neues Unterbringungskonzept entwickelt. Dabei können die jungen Volljährigen in einem abgetrennten Bereich mit maximal zwei Personen pro Zimmer ambulante Einzelfallhilfe in Anspruch nehmen und damit „auf ihrem letzten Schritt in die Eigenständigkeit unterstützt werden“, wie es weiter heißt. 

Das Pilotprojekt soll erst der Anfang sein. LAF-Präsident Alexander Straßmeir spricht von einem „großen Anliegen, den jungen Geflüchteten in unseren Unterkünften in Kooperation mit den Jugendämtern erhöhte Betreuungsangebote zu schaffen“. Dies junge Menschen brauchten weiter Unterstützung - „besonders wenn keine Eltern vor Ort sind“. Bewähre sich das Projekt in Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg, so Straßmeir, „möchte ich es gern auf alle Bezirke ausweiten“.