Berlin - Wegen eines Warnstreiks des Bodenpersonals fallen an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld am Mittwochmorgen fast alle Flüge aus. In Tegel wurden nach Angaben des Flughafenbetreibers 115 Flüge gestrichen, in Schönefeld 22.

Betroffen sind fast alle Verbindungen der Gesellschaften Lufthansa, Air Berlin, Germanwings und Eurowings. „Viele Passagiere sind durch gute Information gestern und heute erst gar nicht zu den Flughäfen gekommen, das große „Chaos“ ist ausgefallen“, sagte ein Sprecher der Flughafenbetreiber.

Die Gewerkschaft Verdi hat in Tegel und Schönefeld die Bodenservice-Mitarbeiter zwischen 5 und 11 Uhr zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Zum Bodenservice zählen zum Beispiel Check-in und Gepäckabfertigung, aber auch das Einweisen und Betanken der Maschinen. 

Nur mit Handgepäck reisen

Passagieren wird empfohlen, möglichst nur mit Handgepäck zu reisen. Wertgegenstände – etwa Auto- und Haustürschlüssel, Schmuck, Laptops und Medikamente – sollten ausschließlich im Handgepäck transportiert werden. Reisende können sich auf der Homepage der Flughafengesellschaft oder bei ihrer Airline über den Status ihres Flugs informieren.

Am frühen Morgen abgefertigt werden konnte lediglich eine Maschine von Air Berlin von Tegel nach Düsseldorf. Die Fluggesellschaften Ryanair und Easyjet haben die meisten ihrer Verbindungen auf nach 11 Uhr verschoben. Versucht wird, vor allem die größeren internationalen Verbindungen aufrecht zu erhalten, zum Beispiel nach Lissabon, London, Istanbul oder Oslo.

In Tegel streiken etwa 400 Mitarbeiter

„Etwa eine Handvoll Menschen arbeiten derzeit beim Bodenpersonal, das sind vor allem Führungskräfte“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Enrico Rümker am Mittwochmorgen am Flughafen Tegel. Am Warnstreik beteiligen sich laut Rümker in Tegel etwa 400 Mitarbeiter und in Schönefeld etwa 150.

Ärger bei Fluggästen

Einige Passagiere, die am Mittwochmorgen am Boden bleiben mussten, machten der Berliner Zeitung gegenüber ihrem Ärger Luft: "Ich sitze inmitten der Fluggäste die alle wenig Verständnis zeigen für die Streikenden, die lachend - uns auslachend) - hier durch die Gänge gehen wie bei einem Kindergarten-Ausflug. Der Streik mag ja berechtigt sein aber die Gäste auszulachen für etwas, das nicht ihre Schuld ist, ist sehr geschmacklos", sagte ein wartender Fluggast. Verdi-Verhandlungsführer Rümker sieht das allerdings ganz anders: Die meisten Passagiere seien vorab von ihrer Airline informiert worden und hätten mit Verständnis ragiert.

Flughafenverband: Streiks unangemessen

Der Flughafenverband ADV nannte die Warnstreiks unangemessen. „Es ist nicht hinzunehmen, dass Verdi die Flughäfen als öffentlichkeitswirksame Bühne zur Durchsetzung ihrer Forderungen schädigt und die Belange der Reisenden dabei völlig ausblendet“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Die Gewerkschaft will mit der Arbeitsniederlegung vor der nächsten Tarif-Verhandlungsrunde am kommenden Freitag Druck auf die Arbeitgeber aufbauen. „Der letzte gültige Tarifvertrag stammt aus dem Jahr 2013, jetzt haben wir 2017“, so Rümker. Verdi fordert von den Arbeitgebern eine Gehaltserhöhung von einem Euro pro Stunde für die Mitarbeiter sowie bessere Aufstiegsmöglichkeiten. Derzeit erhalte ein Beschäftigter des Bodenpersonals etwa elf Euro in der Stunde.

Auch am Hamburger Flughafen ist das Bodenpersonal zum Warnstreik aufgerufen. (BLZ/dpa)