Flughäfen: Was aus den kleinen Flugplätzen rund um Berlin wurde

Zum Champions-League-Finale in Berlin im Juni 2015 war noch einmal richtig was los. Weil die Berliner Flughäfen voll waren, landeten mehr als 30 Flugzeuge mit Fußballfans aus ganz Europa in Magdeburg-Cochstedt. Möglicherweise war es das letzte Mal, dass auf dem Flugplatz größere Mengen an Passagieren abgefertigt wurden. Mitte August meldete die Betreiberfirma Insolvenz an. Die Behörden zogen daraufhin die Betriebsfreigabe ein, seit dem 1. September ruht der ohnehin spärliche Flugverkehr ganz.

Die Pleite ist ein herber Rückschlag für den dänischen Investor Peter Sølbeck. Ihm gehört nicht nur Cochstedt, sondern auch der Flugplatz Neuhardenberg östlich von Berlin. Beide Anlagen wurden einst vom Militär angelegt – Neuhardenberg war Stützpunkt der DDR-Regierungsfliegerstaffel, auch Kosmonaut Sigmund Jähn war hier stationiert – und in den 90er-Jahren privatisiert. Und in beiden Orten gab es eine Hoffnung: Ryanair.

In Neuhardenberg wollte die irische Fluggesellschaft Anfang des vorigen Jahrzehnts eine Basis eröffnen, mit bis zu einer Million Passagiere rechnete man. Doch die Behörden verweigerten die Erlaubnis, um den Flughafen Schönefeld und den zukünftigen Großflughafen nicht zu gefährden.

Das Land Sachsen-Anhalt musste auf derlei Erwägungen keine Rücksicht nehmen, und tatsächlich nahm Ryanair 2011 den Betrieb auf. Größeren Erfolg hatten die Linien aber nicht, trotz der relativen Nähe zum Berliner Markt. Nach nur zwei Jahren stellte die Billigfluggesellschaft den Verkehr wieder ein.

Ryanair setzt auf Schönefeld

Sie hat seither ihre Strategie geändert, fliegt verstärkt größere Flughäfen an – und hat sich wieder Berlin zugewendet. Jahrelang spielte der Flughafen Schönefeld im Ryanair-Netz eine untergeordnete Rolle. Seit Oktober vorigen Jahres aber sind wieder fünf Ryanair-Maschinen dort stationiert. Der kleinere der beiden Berliner Flughäfen hat sich seither stark verändert: Um mehr als 40 Prozent sind die Passagierzahlen dort gegenüber dem vorigen Jahr angestiegen.

Allein im Juli wurden knapp über eine Million Fluggäste abgefertigt – noch 2003 waren es 1,6 Millionen im ganzen Jahr. Es ist spürbar eng geworden in den Gängen des alten Terminals. Entlastung wird erst der BER bringen, wenn er einst eröffnet. Ryanair wird übrigens nicht mit umziehen: Die Maschinen sollen weiterhin am alten Flughafen in Schönefeld abgefertigt werden.

Für den Flugplatz Neuhardenberg gibt es übrigens inzwischen eine andere Verwendung. Rund um die Landebahn ist ein riesiger Solarpark entstanden. Die Fliegerei ist nur noch ein Nebengeschäft.